„Haste genau richtig gemacht.“

Ein steiniger Weg, gerade mal breit genug, dass ein Bike darauf fahren kann. Na ja, zumindest fast. Rechts: eine Felswand. Links: Leere. 200 Meter senkrecht bergab ins Nichts. Auf dem Weg:  Uppu, seine Mountainbike-Kollegen und ein Gedanke: Weiterfahren geht nicht, denn der Lenker schrammt schon fast am Felsen entlang. Dann ein zweiter, ernüchternder Gedanke: Absteigen geht irgendwie auch nicht so gut. Nicht gerade der günstigste Ort, um das zu bemerken. In so einer Situation kann man sich keinen Fehltritt leisten.

Allein beim Zuhören wird einem mulmig, speziell wenn man nicht schwindelfrei ist. Da kribbelt es im Bauch und man ist froh, dass man den felsigen Abgrund nur vor dem inneren Auge sieht.

Uppu klingt gelassen, während er über eines seiner Bike-Abenteuer spricht. Klar, sie steckten damals in der Klemme, aber mit gegenseitiger Unterstützung schaffen sie es dann doch von den Rädern zu steigen und alles war gut.

Alles gar nicht so schlimm. Man muss halt einfach nur machen, das geht. Ein Motto, das sich wie ein roter Faden durch Uppus Leben zu ziehen scheint. Einfach machen.

Winterberg. Uppu, das ist Hans-Josef Gruß, auch wenn ihn wahrscheinlich die wenigsten so nennen. Schon seit Kindertagen kennt man ihn als Uppu. Er ist ein Winterberger Original und eine Marke, denn Uppu, das ist auch das gleichnamige Bistorant am Waltenberg.

Sport ist, wie schon der Einstieg klar macht, nicht aus Uppus Leben wegzudenken. Zuerst war da das Skispringen in der Jugend, zusammen mit dem besten Kumpel und Sportkollegen Alfred Grosche. Wer springt am weitesten? Welche Bindungen sind am besten? Es wurde getüftelt und man lieferte sich erste Wettkämpfe, auf Schanzen, an die sich heute nicht mehr viele erinnern, wie die vor Ussa’s Hütte. Dann kam der Skiklub ins Spiel und Berthold Winker als Trainer. „Der hat uns richtig geformt“, sagt Uppu und erinnert sich an die ersten größeren Wettkämpfe auf Bundesebene und jugendliche Eskapaden, die damit einhergingen.

Dass Sport auch immer mit Verletzungen einhergehen kann, ist klar. Trotzdem hat Uppu keine Angst, aber Respekt. So auch, als er sich beim Springen einen Wirbelsäulenbruch zuzieht. Kein Sport mehr, das ist die erste Reaktion der Ärzte, die Uppu nicht sehr beeindruckt. Wenige Wochen später springt er wieder vom Schanzentisch ab und während er erzählt merkt man: das ist typisch Uppu. Alles gar nicht so schlimm.

Trotzdem hängt Uppu die Sprungski an den Haken, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und Metzger zu werden. Eine Zeit lang arbeitet er in Städten wie Frankfurt und Düsseldorf, um Luft in fremden Betrieben zu schnuppern. Doch irgendwann zieht es ihn zurück ins Sauerland und er bleibt.
Denn auch wenn Uppu sich vorstellen kann, dass es schön sein könnte in Schottland zu leben, er ist tief in Winterberg und dem Sauerland verwurzelt. „Heimat ist hier sein. Da sein. Mit allem, was dazu gehört, einfach den Mittelpunkt des Lebens gefunden zu haben.“

„Klein groß geworden.“

Diesen Mittelpunkt hat sich Uppu nach seiner Rückkehr in den heimischen Betrieb geschaffen. Nach einem Streit mit seinem Vater um Uppus ganzen Stolz, seinen Renault Alpine A110, heißt es: entweder das Auto geht, oder du. Also geht Uppu, mitsamt seinem Auto - allerdings nicht weit.

Neben der Metzgerei eröffnet er 1976 den Imbiss Uppu’s Wurstküche. Doch nicht jede Entscheidung fällt immer leicht. Einige Jahre später übernimmt er zusätzlich die Metzgerei seines Vaters. Doch aufkommende Supermärkte werden zur immer größeren Konkurrenz und führen schließlich zu der Entscheidung, sich nur noch auf den Imbiss zu konzentrieren. Denn der floriert.

1992 wird aus Uppu’s Wurstküche das heutige Uppu und so wandelt sich der Imbiss mit zwei Tischen und vier Thekenplätzen über die Jahre in ein erfolgreiches Bistorant. Heute wartet das Uppu mit ca. 60 Plätzen drinnen und 80 Plätzen draußen auf und einem 15-köpfigen Team.

Das Ambiente hat sich mit der Zeit geändert, doch tief drinnen, im Herzen, ist alles gleichgeblieben. „Alles gemütlich und immer Treffpunkt“, sagt Uppu über die Anfänge in seinem Imbiss. Wer das heutige Uppu kennt, weiß, dass das immer noch so ist. Hier trifft sich Alt und Jung, ob zum Stammtisch, auf ein Feierabendbier oder zur Rast auf der Terrasse nach einer Bike-Tour oder einer Wanderung. Bilder von Uppus Reisen zieren die Wände, Besteck regnet aus Zweigen, die ihr Dach über den Köpfen der Gäste spannen. Immer wieder gemütlich. Immer wieder Treffpunkt.

„Familie ist unsere Stärke.“

Die Nachfolge steht schon in den Startlöchern. Zwei von Uppus vier Kindern sind mittlerweile im Bistorant tätig. „Biss haben sie beide, Ellen und Laura“, sagt er und denkt über die Ideen nach, die sie mit einfließen lassen. So auch vegane und vegetarische Gerichte. „Ich bin hinterher selber überrascht wie gut das schmeckt.“

Und eine darf natürlich nicht fehlen. Martina. Die Liebe auf den ersten Blick, wie er verrät. Sie habe sein Leben am meisten geprägt. 1977 lernen sie sich kennen und seitdem ist sie die Frau an seiner Seite und der kreative Kopf der Küche. „Dieses Wissen, es schmeckt einfach, egal was sie kocht. Das ist die unglaubliche Kunst, die sie bringt“, sagt Uppu über seine Frau und lächelt. Liebe geht nun mal auch durch den Magen.

„Keinen Meter willste missen.“

Ein anderes Thema, das ihm ein Lächeln auf die Lippen und Glanz in die Augen zaubert, ist das Biken.

Das erste Fahrrad kommt Anfang der Achtziger ins Spiel, mit einem viel zu großen Rahmen, aber Hauptsache die Reifen und Stollen sind dick. Es ist der Beginn einer Leidenschaft.

Neben dem Bistorant betreibt er Uppu Biketours, wo er Räder verleiht und Touren plant und führt. Salz und Pfeffer Touren, wie er sie selbst nennt. Schärfe, Schweiß und der gewisse Pepp. Der Weg ist die Herausforderung und etwas fordernd soll das Mountainbiken schon sein.

Das wird auch klar, wenn Uppu über seine privaten Touren spricht. Wie die zu Anfang, mit dem 200 Meter tiefen Abgrund. Dann war da die erste Alpenüberquerung, 1994. Da musste das Rad auch mal getragen werden und eine Einheimische verköstigte den Trupp mit Nudeln, die sie über einer offenen Feuerstelle in der Wand kochte, damit sie überhaupt etwas zu essen bekamen.

Und wie war das noch mit dem sehr leicht bekleideten Ausflug auf den südlichsten Gletscher Europas? Ach ja, der Mont Blanc darf natürlich nicht vergessen werden. Der wurde umrundet. 160 Kilometer und 15.000 Höhenmeter in fünf Tagen. Was man halt so macht. „Waren schon gut drauf“, sagt Uppu. Auf Erstaunen reagiert er fast mit einem Schulterzucken. „Musste einfach fahren, das geht.“ Manchmal weiß man nicht, ob man lachen, staunen oder seinen imaginären Fahrradhelm vor ihm ziehen soll. Vielleicht alles zusammen.

Doch Mountainbiken, das ist vor allem in der Heimat schön, ob allein, bei einer Runde über den Kahlen Asten oder auf Tour mit seinem Biketrupp den Trailmatsch²o². Nichts hilft so gut beim Abschalten, denn beim Biken musst du mit dem Kopf voll dabei sein, voll im Hier und Jetzt sein. „Das ist genial, das ist vielleicht auch das eigentliche Geheimnis beim Mountainbiken.“

„Wo ist Wachstumsende?“

Wer viel in der Natur unterwegs ist, der liebt sie, weiß sie zu schätzen. Das Thema Wachstum und Veränderung ist deshalb etwas, das Uppu bei vielen Themen beschäftigt. Immer höher, schneller, weiter. Ist das wirklich die Lösung?

Da geht es auch um das Wachstum des eigenen Betriebs, zu dem er eine klare Meinung hat. Das Uppu muss nicht wachsen, auch wenn es könnte. Der Service am Kunden und die Kundenzufriedenheit sind jedoch wichtiger, als Wachstum um des Wachstums Willen. „Wir wollen unseren Gästen eine ehrliche Leistung bieten, die Leute sollen zufrieden sein und da kann man weiter dran arbeiten, das macht so viel Spaß.“

Menschen, die für etwas Brennen können, begeistern und so ist es bei ihm nicht anders. Seine Geschichten sind gespickt von Anekdoten, die einen zum Schmunzeln bringen oder lachend den Kopf schütteln lassen. Und während er erzählt und die Zeit verfliegt, ist alles, was zum Glück fehlt ein kühles Bierchen vor der Nase. Das wäre jetzt perfekt, meint auch Uppu.

Kontakt

BISTORANT UPPU
Am Waltenberg 19 
59955 Winterberg

Tel.: 02981 2220
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