Hopfen & Malz, Hallenberg erhalt’s!

In warmen Farben leuchtet das Bierglas in der Abendsonne, deren letzte Strahlen über die Sauerländer Felder tanzen.

Auf dem Bier sitzt eine cremige Schaumkrone, die nur darauf wartet von der Oberlippe geleckt zu werden.

Nicht umsonst nennt man es auch das flüssige Gold, doch mit dem Hallenberger Landbier hält man tatsächlich eine kleine Besonderheit in der Hand…

Hallenberg. Sauerland und Bier, das gehört einfach zusammen. Egal ob beim Schützenfest, nach einer Wanderung durch die heimische Natur oder an einem verregneten Herbstabend in der Stammkneipe des Vertrauens – das Lieblingsgesöff der Sauerländer ist mit dabei. Dass man dann tatsächlich ein Stück Heimat in der Hand hält, war für die Hallenberger lange nicht selbstverständlich. 

Über 6000 Biere werden heutzutage in Deutschland gebraut und seit dem letzten Sommer zählt auch das Hallenberger Landbier dazu. In einer alten Scheune lässt man nach rund 100 Jahren die Hallenberger Brautradition wiederaufleben und das mit jeder Menge Leidenschaft und Liebe für den goldenen Gerstensaft.

Hallenberger Bier ist kütt Bier

1543 befahl der Landesherr seinen Städten Bier selbst herzustellen, da er sich über die Abhängigkeit und den Import von hessischem Bier ärgerte. Ob die Hallenberger Brautration bereits vorher bestand, ist nicht belegt. 

Was belegt ist: Die Hallenberger entwickelten schnell ein besonderes Fingerspitzengefühl für den Umgang mit Hopfen und Malz. Sogar über die Stadtgrenzen hinaus sprach sich der gute Ruf des Bieres herum und lockte bald auch Trinkfreudige von außerhalb an. Erst der Erste Weltkrieg setze der Hallenberger Brautradition ein Ende und 1961 wurde schließlich das letzte Brauhaus abgerissen. Jahrzehnte lang erinnerte nur noch der Straßenname „Am Brauhaus“ an die verlorene Handwerkstradition.

Da braut sich was zusammen

Die Idee, diese Tradition zu neuem Leben zu erwecken, ist, wie sollte es auch anders sein, aus einer Bierlaune bei gutem Essen entstanden. Da dachten sich die Freunde Richard Gamm und Jörg Schütte, wie schön es wäre wieder Hallenberger Bier zu brauen und wie schade es sei, dass sie davon keine Ahnung hatten. Zum Glück hatten das aber andere, wie der pensionierte Braumeister Peter Mesters. Schnell ließ dieser sich von der Idee begeistern und der Grundstein war gelegt, zumindest im Geiste. Der tatsächliche Grundstein wurde bei der Sanierung des alten Fachwerkstalls gelegt, auf dessen Heuboden sich heute die Brauanlage befindet. Im Erdgeschoss darf verkostet und gekauft werden. 

Gebraut wird das Hallenberger Landbier nur mit den besten regionalen Zutaten. Die Tiefenquelle Struth im Naturschutzgebiet liefert das glasklare Wasser, sechs Hallenberger Landwirte bauen seit 2017 die Avalon-Gerste an, die dem Bier seinen unverwechselbaren Geschmack gibt. Auch der Hopfen soll bald in Hallenberg wachsen. 

Was sich aus diesen Zutaten zusammenbraut, ist dem Können von Peter Mesters geschuldet – und viel Geduld. 6 Wochen darf das Hallenberger Landbier reifen, im Gegensatz zum industriell gefertigten Bier, das dafür oft nur eine Handvoll Tage Zeit bekommt.

Gestern wie heute

2018 wurde der Brauhof eröffnet und neben dem Bierbrauen lebte dort auch noch eine weitere Tradition wieder auf: die Bierprobe. In historische Gewänder gehüllt nahmen die Ratsherren auf einer Bank Platz, die zuvor mit Bier begossen wurde. Klebte die Bank nach einigen Minuten am Hosenboden fest, hatte das Bier seine ungewöhnliche Qualitätsprobe bestanden. 

Ob das auch dieses Jahr wieder der Fall sein wird, können Schaulustige und Bierbegeisterte am 29. Juni herausfinden. Dann fließt das Hallenberger Landbier auf dem Hallenberger Hoffest in Strömen, frei nach dem alten Motto: Hallenberger Bier ist kütt Bier.

Kontakt

Brauhof Hallenberg
Ortstraße 10
59969 Hallenberg

Tel: 0171 2991801
alberti@hallenberger-bier.de
www.hallenberger-landbier.de