Genau ins Schwarze getroffen

Sonntagmorgen, die Sonne scheint. In letzter Minute denke ich noch daran mir etwas zu trinken mitzunehmen, nur für den Notfall, falls es doch anstrengend wird. Rückblickend eine weise Entscheidung. So richtig weiß ich nicht, was mich erwarten wird, als ich mich ins Auto setze. Mein Ziel für den Vormittag: der Kleinkaliber-Schießstand in Neuastenberg. Dort bietet MyBiathlon seit knapp 10 Jahren ein Erlebnis der ganz besonderen Art an: Biathlon-Events hautnah und für jedermann. 
Egal ob Junggesellenabschied, Firmenevent oder Familienausflug – hier können Biathlonfans (und solche die es werden wollen) am Schießstand selbst erleben wie es ist, wenn Atmung und zittrige Hände dafür sorgen, dass weiß Gott nicht jeder Schuss sitzt.

Winterberg/Neuastenberg. Als ich am Biathlonstadion ankomme, werde ich gleich von Thomas Pawliczek begrüßt. Der ehemalige Biathlet und heutige Biathlontrainer leitet zusammen mit seinem Team die Events von MyBiathlon und ist mit Leib und Seele dabei, um die Teilnehmer für den Sport zu begeistern. 
Allein schieße ich heute natürlich nicht und so lerne ich direkt meine Biathlon-Gastfamilie kennen. Extra aus dem Ruhrgebiet sind sie angereist, um in Neuastenberg Biathlon auszuprobieren. Die gut gelaunte Truppe nimmt mich gleich in ihre Runde auf, dann geht es auch schon los – und es wird direkt episch. Conquest of Paradise bläst aus den Lautsprechern, als wir uns bei strahlendem Sonnenschein zum Schießstand begeben. Unter die Musik mischen sich die Kommentare von Thomas Pawliczek, der das Ganze moderiert und einem das Gefühl gibt, bei einem richtigen Sportevent zu sein.

Mit ruhiger Hand 

Am Schießstand bekommen wir erstmal eine Einweisung und schnell wird klar: im Fernsehen sieht das irgendwie alles einfacher aus. Gebannt lauschen wir den Erklärungen über das Kleinkalibergewehr und wie damit geschossen wird, dann wird es ernst. Kurz darauf muss ich auch schon auf die Matte und die schussbereite Waffe liegt schwer in meiner Hand. Etwas mulmig wird es mir schon. 

Zehn Übungsschüsse darf jeder von uns abgeben und mein erster geht direkt in die Hose. Ich ziehe den Abzug zu weit zurück und schon löst sich der Schuss, ohne dass ich überhaupt zum Zielen gekommen bin. Fängt ja gut an. Glücklicherweise unterstützt uns das MyBiathlon-Team mit Anweisungen und Ratschlägen. Nachladen, zielen, Druckpunkt suchen, schießen. Gar nicht so einfach wie es klingt. Selbst durch das Visier sind die schwarzen Löcher so winzig, dass mich jede kleinste Bewegung, jeder falsche Atemzug vom Ziel ablenkt, obwohl mir ein Holzklotz zum Auflegen Sicherheit gibt. 

Ich schieße wieder und dieses Mal ist das Geräusch zu hören, dass ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte, wenn das Ziel getroffen wird und die weiße Scheibe vor das Loch schlägt. Mein Puls schnellt in die Höhe. Was soll ich sagen? Mehr braucht es nicht, um meinen Ehrgeiz zu wecken. Auch meiner Gastfamilie scheint es nicht anders zu gehen. Da wird geflucht, gejubelt und verzweifelt, doch schnell sind wir angefixt und es geht zur ersten Disziplin.

Fast wie Vogelschießen 

Wer wird unser Schützenkönig? Das ist eine Frage, die man sich als Sauerländer sowieso mindestens einmal im Jahr stellt. Wer aber der Schützenkönig unserer Gruppe wird, soll sich jetzt entscheiden. 

Es geht wieder ab auf die Matte. Erneut zehn Schuss, aber dieses Mal mit und ohne Auflegen. Uff - da wird es direkt schon kniffliger, denn auch wenn wir noch nicht unter Belastung schießen, zittern die Hände schon ganz schön. 

Nebenbei werden wir mit Musik beschallt, die auch auf jeder Skihütte für gute Laune sorgen würde und auch bei uns ist die Stimmung ausgelassen. Die Patronenhülsen fliegen nur so und an den Silvestergeruch beim Schießen habe ich mich mittlerweile auch gewöhnt. Am Ende liegen vier von uns gleich auf und es geht in ein spannendes Stechen, bis der stolze Schützenkönig schließlich feststeht. Lange kann er sich allerdings nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen.

Showdown 

Die Königsdisziplin für den heutigen Tag steht an: der Staffelwettkampf. Doch für die Aufstellung müssen wir uns erstmal qualifizieren. Also werden wir in Teams ausgeteilt und schnell wird klar: die Frauenquote des blauen Teams bin dann wohl ich. Das kann ja heiter werden. 

Zuerst schießen wir unter Zeitdruck, so oft, bis alle Scheiben getroffen wurden. Das ist schon ganz schön nervenaufreibend, dabei geht die richtige Staffel erst danach los – genau wie die Rivalitäten. Blau gegen Rot, wer wird den Sieg holen? Es wird gefeixt, gelacht und gestichelt. 

Um die Belastung beim richtigen Biathlon zumindest im Ansatz nachzuempfinden, müssen wir auf dem Tretroller eine Runde um den Platz drehen und dann direkt auf die Matte zum Schießen. Der Puls spielt verrückt, Hände und Knie zittern, als ich nach der ersten Runde auf dem Roller fast schon auf die Matte fliege, um zu schießen. Da mischen sich Anstrengung und Nervosität, immerhin will ich mein Team ja nicht hängen lassen. 

Ich versuche meine Atmung unter Kontrolle zu bekommen - mit Erfolg. Alle Ziele treffe ich und schnappe mir schnell wieder meinen Roller, um in die nächste Runde zu starten. Neben mir muss jemand in die Strafrunde, denn auch an die wurde gedacht. Unter Gejohle und Anfeuerungsrufen kämpfen wir uns durch die Staffel und auch wenn es gar nicht so ohne ist, macht es vor allem eins: unglaublich viel Spaß. Und so ist mein Team am Ende auch nicht allzu böse, dass es knapp verliert.

Goldregen

Was wäre ein Sportwettkampf ohne eine Siegerehrung? Die bildet nach zweieinhalb Stunden den krönenden Abschluss eines unglaublich lustigen und unterhaltsamen Events. Stolz nimmt der Schützenkönig seinen Pokal entgegen und die Teams ihre Medaillen. Doch irgendwie sind wir heute alle Sieger, deshalb gibt es für jeden Gold und ganz viel Applaus. 

Als ich mich schließlich von meiner Biathlon-Gastfamilie verabschiede und leicht verschwitzt und mit einem breiten Lächeln in mein Auto steige, sind zwei Dinge klar. Erstens: der Biathlonsport hat einen neuen Fan gewonnen und zweitens: ich will nochmal.

Kontakt

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