4 Fragen – 12 Antworten
Beim Thema Berufsorientierung blieben für uns zunächst noch einige Fragen unbeantwortet. Antworten darauf haben wir von den Vertretern unserer heimischen Institutionen erhalten:
Ingomar Schennen Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hochsauerland

Detlef Schönberger Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe

Jörg
Nolte
Hauptgeschäftsführer der
IHK Arnsberg Hellweg-Sauerland

Oliver
Schmale
Leiter der
Agentur für Arbeit Meschede-Soest

Informationsflut: Orientierung trotz Überangebot
Für Jugendliche, die bereits konkrete Berufsvorstellungen haben, ist das umfangreiche Berufs- und Ausbildungsangebot äußerst hilfreich. Doch was ist mit denjenigen, die noch völlig unsicher sind? Diese stehen vor der Herausforderung, nacheinander alle Institutionen besuchen und/oder Plattformen im Internet zu durchforsten – was natürlich recht zeitaufwändig ist. Wie kann ihnen – statt eines Überangebots – die gewünschte individuelle Orientierung geboten werden?
Detlef Schönberger: Wir bieten den Jugendlichen zur individuellen Orientierung persönliche Gespräche mit den Ausbildungs-Coaches der Kreishandwerkerschaft (Kevin Güner und Jens Mayer) an. Die Coaches informieren gezielt zu Handwerksberufen, die für den jeweiligen Jugendlichen interessant sind. Danach folgt eine konkrete Auswahl von Ausbildungsbetrieben und auf Wunsch fahren die Ausbildungs-Coaches mit dem Jugendlichen – ggf. auch mit dessen Eltern – in den gewünschten Ausbildungsbetrieb vor Ort. Ist der Jugendliche nicht mobil, erfolgt die Fahrt auch gemeinsam im PKW der Kreishandwerkerschaft. Also handfest und pragmatisch, wie es im Handwerk üblich ist.
Oliver Schmale: Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater sind als unabhängige Experten direkt vor Ort. Bereits in der Schule finden Sprechstunden und Orientierungsveranstaltungen statt, in denen die Jugendlichen sich einen ersten Überblick verschaffen können und passende Informationen für ihre individuellen Anliegen finden. Jederzeit sind auch Beratungsgespräche per Video, per Telefon oder persönlich möglich, um individuelle Fragen zu erörtern.
Jörg Nolte: Als Koordinierungsstelle des Ausbildungskonsens Hellweg-Sauerland arbeiten wir seit 10 Jahren intensiv im Netzwerk „Karriere-hier“ mit allen regionalen Ausbildungsakteuren zusammen. Ziel des Netzwerkes ist es, die berufliche Bildung transparenter zu machen und eine Plattform für Eltern und auch Schülerinnen und Schüler anzubieten, die strukturiert Orientierungsangebote aufzeigt. Darüber hinaus bietet die IHK Arnsberg mit dem Team Fachkräftesicherung und den Azubi-Findern individuelle Beratung für Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte.
Ingomar Schennen: Eine Lösung für Jugendliche, die noch unsicher in ihrer Berufswahl sind, insbesondere im Bereich Ausbildung im Handwerk, könnte ein strukturierter und individueller Ansatz sein, der Orientierung und persönliche Beratung kombiniert. Die Jugendlichen könnten von spezialisierten Beratern in Berufsinformationszentren (BIZ), Kreishandwerkerschaften und der Handwerkskammer betreut werden. Für unsichere Jugendliche wären niedrigschwellige Angebote wie Schnuppertage, Werkstattbesuche oder Mini-Praktika, Girls- bzw. Boys-Day etc. eine gute Möglichkeit, verschiedene Berufe im Handwerk kennenzulernen, ohne sich gleich langfristig zu binden. Auf den regionalen Berufsmessen stellen viele Handwerksinnungen und die einzelnen Betriebe ihre tägliche Arbeit auf Messe-Ständen vor. So können sich Jugendliche ein realistisches Bild von den Berufen machen, ohne lange Institutionen durchsuchen zu müssen. Schulen könnten verstärkt Projekte und Workshops in Zusammenarbeit mit Handwerksbetrieben durchführen, um Schülern frühzeitig den Bereich Handwerk näherzubringen. Durch eine Kombination aus digitaler Unterstützung, persönlicher Beratung und praktischen Erfahrungen kann unsicheren Jugendlichen eine klarere Orientierung geboten werden, ohne sie mit zu vielen Informationen zu überfordern.
Berufsorientierung
Obwohl es 328 Ausbildungsberufe gibt, entscheiden sich Jugendliche meist für die bekanntesten. Manche Berufe werden aufgrund sozialer Erwartungen und des Images dieses Berufes ausgeschlossen. Welche Möglichkeiten haben Sie gegenzusteuern und das Interesse auch für weniger bekannte Berufe zu wecken?
Jörg Nolte: Unsere Ausbildungsbotschafter präsentieren Berufe aus erster Hand – auch solche, die weniger bekannt sind. In der persönlichen Beratung in der IHK, auf Messen oder in Schulen, weisen wir ebenfalls immer auf alternative, ähnliche Berufe hin. Zudem nutzen wir digitale Formate wie „Beruf der Woche“ auf Instagram und unseren Podcast „Orientierbar“, um eher unbekannte und damit schwer zu besetzende Berufe vorzustellen. Durch die persönlichen Geschichten unserer Podcastgäste tragen wir dazu bei, Klischees abzubauen und Perspektiven aufzuzeigen. Insgesamt betonen wir stets, dass alle dualen Ausbildungsberufe umfangreiche Weiterbildungsmöglichkeiten und Spezialisierungen bieten und an den Bedarfen der Betriebe ausgerichtet sind – was die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zusätzlich erhöht.
Detlef Schönberger: Ein wesentlicher Lösungsansatz der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, der beiden Städte Soest und Lippstadt sowie dem Kreis Soest ist die gemeinsame Kampagne „Handwerker. Klimaschützer von Beruf.“. Hier stellen wir partnerschaftlich die klimarelevanten Handwerke u. a. im SHK-, Elektro-, Dachdecker- und Bauhandwerk heraus. Insbesondere leistungsstärkere Jugendliche werden aufgerufen, nicht nur für den Klimaschutz zu demonstrieren, sondern in ihrer Heimatregion selbst mit anzupacken und den Klimaschutz zu ihrem Beruf zu machen. Die Aktivitäten zeigen Wirkung, so konnte beispielsweise die Zahl der Ausbildungsverträge im Beruf Anlagenmechaniker/in SHK in den letzten beiden Jahren trotz des Nachwuchsmangels im Handwerk gesteigert werden. Bei der Agentur für Arbeit Meschede-Soest ist der Beruf Anlagenmechaniker/in SHK sogar unter die Top-Ten der beliebtesten Berufe gerückt. Weniger bekannte Berufe, wie etwa Stuckateur/in, werden verstärkt durch Filme und in persönlichen Beratungen in den Fokus der Jugendlichen und deren Eltern gestellt.
Oliver Schmale: Das ist kein aktuelles Phänomen. Oft sind gerade das soziale Umfeld, Familie und Freunde in die Berufswahl eingebunden. Auch deshalb ist Elternarbeit ein großes Thema in der Berufsberatung. Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater sind neutral und werben daher nicht für bestimmte Berufe. In der Beratung stehen die jungen Menschen mit ihren Stärken und Interessen im Fokus. Sowohl bekannte als auch unbekannte Berufe werden entsprechend thematisiert. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater zeigen Wege und Perspektiven auf.
Ingomar Schennen: Wichtig ist, ein positives Image für nicht so verbreitete Berufe zu schaffen, um das Interesse an weniger bekannten Handwerksberufen zu wecken, z. B. über praktische Einblicke durch Schnuppertage oder Praktika, moderne Imagekampagnen auf Social Media und enge Zusammenarbeit mit Schulen. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen, die Attraktivität des Handwerks sichtbar zu machen und die Vielfalt der Karrierechancen zu betonen.
Umdenken bei der Bewerberauswahl
2023 gaben laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung deutschlandweit 51 Prozent der Betriebe an, dass sie keine geeigneten Bewerber fänden. Wäre es nicht gut, wenn es hier zu einem Umdenken kommt, dahin, dass Betriebe auch solchen Bewerbern eine Chance geben, die nicht so gute Schulnoten vorweisen können, aber Einsatz zeigen? Schließlich handelt es sich um junge Menschen, die noch in der Entwicklung stehen – und die sich durch eine Ausbildung eben auch zu Fachkräften entwickeln. Ihre Institution arbeitet mit sehr vielen Betrieben zusammen; wäre es Ihnen möglich, diese zu einem Umdenken zu bewegen?
Ingomar Schennen: Das Problem des Fachkräftemangels und der Schwierigkeit, geeignete Bewerber zu finden, erfordert sicher ein Umdenken in der Personalpolitik vieler Betriebe. Dieser Umdenkprozess hat im Handwerk gerade aufgrund des Bewerbermangels aber schon längst eingesetzt. Persönliche Erfahrungen von Auszubildenden und Unternehmen, die über Erfolgsgeschichten bei der Ausbildung schwächerer Schüler berichten, können hier als Beispiel für andere dienen. Wir ermuntern die Betriebe, den Wert von Soft Skills, wie Einsatzbereitschaft, Lernbereitschaft und Teamfähigkeit, stärker zu erkennen. Praktika ermöglichen es Unternehmen dabei, die tatsächlichen Fähigkeiten und die Motivation der Bewerber kennenzulernen – unabhängig von Schulnoten. Finanzielle Anreize oder Unterstützung können ferner helfen, Praktikumsplätze attraktiver zu machen.
Oliver Schmale: Die Betriebe in unserer Region sind offen für viele Möglichkeiten. Ein Umdenken hat bereits stattgefunden und findet laufend weiter statt. Die Betriebe passen sich an die Gegebenheiten an. Mittlerweile spielen Schulnoten bei der Bewerberauswahl oftmals keine große Rolle, dies zeigt auch die hohe Inanspruchnahme unserer Assistierten Ausbildung, die Auszubildenden Nachhilfe während der Ausbildung ermöglicht. Immer mehr Betriebe nutzen Praktika oder Probearbeitstage im Vorfeld der Einstellung, um die jungen Menschen kennenzulernen, da Persönlichkeit und Motivation mehr zählen als schulische Leistungen. Dass Betrieb und Jugendliche nicht zusammenfinden, hängt an mehreren Faktoren. Es gibt deutlich mehr Ausbildungsstellen als Ausbildungssuchende. Viele Regionen bewegen sich bereits in diesem Bewerbermarkt – so wie auch wir – und arbeiten daran, beide Seiten zusammenzubringen. Nicht immer passen die Wünsche der Jugendlichen zu den Angeboten der Betriebe. Auch deshalb bleiben Plätze unbesetzt oder Jugendliche unversorgt.
Detlef Schönberger: Für die Inhaberinnen und Inhaber von Handwerksunternehmen stehen die Schulnoten von Bewerberinnen und Bewerbern definitiv nicht im Vordergrund. Entscheidend ist, dass die Bewerber aktiv auf den Betrieb zugehen und ihre Begeisterung oder zumindest ihr großes Interesse für den jeweiligen Beruf deutlich machen. Der O-Ton nahezu aller Handwerksmeister in unseren Innungen: „Wenn ich sehe, dass jemand richtig Bock auf unseren Beruf und auf eine Ausbildung in unserem Betrieb hat, stelle ich den jungen Menschen gerne ein. Die Fachlichkeit bringen wir ihm dann schon bei. Die entscheidende Voraussetzung für die Einstellung ist das Wollen und das ehrliche Interesse am Beruf.“ Die vielen Beispiele der Integration von schwächeren Jugendlichen und Menschen mit geringen Kenntnissen der deutschen Sprache in Handwerksbetriebe vor Ort belegen das sehr eindrucksvoll. Grundlegende Sprachkenntnisse müssen jedoch für eine Berufsausbildung zwingend vorhanden sein – allein schon, um Sicherheitsanweisungen verstehen und dem Berufsschulunterricht folgen zu können. Aber auch hier leisten die Betriebe, die Berufskollegs, die Agentur für Arbeit und auch die Innungen eine wertvolle Unterstützung. Die Innungen fördern die Auszubildenden bei uns vielfach auch im fachlichen Lernprozess durch zusätzliche sogenannte Azubi-Werkstätten.
Jörg Nolte: Wir sehen, dass viele der Unternehmen im Hochsauerlandkreis und im Kreis Soest bereits länger den Markt erkennen und auch schwächeren Bewerberinnen und Bewerbern eine Chance geben. Entscheidend sind dabei Motivation und Wille der jungen Menschen, da fachliche oder schulische Defizite durch gezielte Maßnahmen ausgeglichen werden können. Dabei leisten gerade die Ausbilderinnen und Ausbilder in den Betrieben und die Berufsschullehrerinnen und -lehrer hervorragende Arbeit, die Anerkennung verdient. Gleichzeitig zeigt der IQB-Bildungstrend 2022, dass Basiskompetenzen bei Schulabgängern rückläufig sind, was die Bedeutung einer guten schulischen Grundlage unterstreicht, um Ausbildung erfolgreich gestalten zu können. Die IHK Arnsberg wird weiterhin die Betriebe dabei unterstützen, motivierten Jugendlichen Perspektiven zu bieten und so gemeinsam den Fachkräftenachwuchs zu sichern.
Falsch kommuniziert?
Auf der einen Seite wird seitens der Auszubildenden – und vieler Eltern – ein Überangebot an Informationen beklagt. Auf der anderen Seite, so eine neuere Bertelsmann-Studie, halten die jungen Menschen Betriebsbesichtigungen, Ausbildungsbotschafter im Unterricht, Ausbildungsmessen und Informationen zum Unternehmen für sehr wichtig, sind aber der Meinung, dass diese nicht ausreichend angeboten werden. Wird hier falsch oder auf den falschen Kanälen kommuniziert?
Ingomar Schennen: Die Kritik der Auszubildenden und Eltern an einem Überangebot an Informationen bei gleichzeitiger Forderung nach mehr praxisnahen Formaten wie Betriebsbesichtigungen oder Ausbildungsmessen deutet darauf hin, dass weniger die Menge der Informationen das Problem ist, sondern vielmehr die Qualität und die genutzten Kommunikationskanäle. Es scheint, als würden Informationen oft über Kanäle verbreitet, die Jugendliche nicht ausreichend nutzen – zum Beispiel klassische Broschüren oder Webseiten, die schwer auffindbar sind. Stattdessen sind digitale Plattformen, soziale Medien wie Instagram, TikTok oder YouTube und interaktive Formate heute entscheidend, um junge Menschen zu erreichen.
Jugendliche wünschen sich erlebbare Formate, wie Betriebsbesichtigungen, Gespräche mit Auszubildenden und praxisnahe Einblicke. Ein Überangebot an theoretischen Informationen, etwa durch Flyer oder allgemeine Websites, deckt diese Bedürfnisse nicht ab. Hier mangelt es nicht an Quantität, sondern an relevanten und greifbaren Angeboten. Unternehmen und Schulen scheinen oft nicht optimal vernetzt zu sein. Veranstaltungen wie Messen oder Ausbildungstage könnten häufiger und gezielter in Kooperation mit Schulen angeboten werden, damit Schülerinnen und Schüler frühzeitig in direkten Kontakt mit Betrieben kommen.
Folgende Lösungsansätze sind möglich: Unternehmen sollten verstärkt auf soziale Medien und interaktive Plattformen setzen, um ihre Angebote sichtbar zu machen. Kurze, authentische Einblicke – etwa durch Reels oder Stories – können den Zugang erleichtern. Betriebsbesichtigungen, Ausbildungsmessen und Ausbildungsbotschafter sollten häufiger und einfacher zugänglich gemacht werden, auch in Kombination mit virtuellen Rundgängen oder hybriden Formaten. Schulen und Unternehmen könnten engere Kooperationen eingehen, zum Beispiel durch regelmäßige Schulbesuche von Betrieben oder die Einrichtung von Praktikumswochen. Die Herausforderung liegt weniger in der Menge der Informationen, sondern darin, sie so zu gestalten und zu verbreiten, dass sie für Jugendliche und Eltern individuell passend und leicht zugänglich sind.
Detlef Schönberger: Das Angebot an attraktiven Praktikumsplätzen, Ausbildungsmessen, Schulbesuchen und Informationen zu Unternehmen ist in unserer Region sehr groß. Aufgrund intensiver und sehr gut funktionierender Abstimmungen aller Netzwerkpartner finden inzwischen auch die Ausbildungsmessen in der Region deutlich fokussierter mit hohen Besucherzahlen statt. Die Anzahl der digitalen Ausbildungsbörsen für Handel, Handwerk, Industrie, Gesundheitsberufe und Landwirtschaft ist überschaubar und über das Partnerschaftsnetzwerk www.karriere-hier.de unter der Rubrik „Links“ kompakt zusammengefasst.
Die Kommunikation läuft über alle Kanäle und bei uns im regionalen Handwerk wie folgt: Social Media (z. B. Instagram Kreishandwerkerschaft, Medienpartner im Rahmen der Traumberufe-Kampagne), digitale Ausbildungsbörse, Dating-App, Lokalradios, Printkampagnen, Elternratgeber, regionale Ausbildungsmessen mit Erlebnis-Stand, Wheel-Datings auf Kirmesplätzen mit Berichterstattung von WDR und RTL sowie das individuelle Beratungsangebot der Ausbildungs-Coaches direkt vor Ort. Sicher lässt sich die Kommunikation immer noch optimieren. Nach meiner Überzeugung sind wir hier aber in dem gesamten Partnernetzwerk sehr gut aufgestellt.
Meine persönliche Empfehlung an die Jugendlichen und deren Eltern ist, den Schwerpunkt auf die persönliche Kommunikation zu legen. Konkret für das Handwerk: Eine kurze E-Mail zur Terminvereinbarung an die Ausbildungs-Coaches der Kreishandwerkerschaft senden, sich vor Ort zu einem persönlichen Gespräch treffen, gemeinsam interessante Berufe sowie Ausbildungsbetriebe heraussuchen und – wahlweise mit oder ohne Coach – Betriebe besuchen und ein handfestes Praktikum starten. Alternativ einfach mal persönlich mit einer Kurzbewerbung in einem Handwerksbetrieb vorstellen. Das macht Eindruck und führt oft direkt zu einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz.
Oliver Schmale: Zur beruflichen Orientierung gibt es viele Informationsangebote, das ist richtig. Den Durchblick zu bewahren ist gar nicht so einfach. Daher ist eine Beratung durch unsere Expertinnen und Experten so wichtig. Betriebsbesichtigungen, Ausbildungsbotschafter im Unterricht und Ausbildungsmessen sind sehr wichtig für die berufliche Orientierung. Diese Praxisangebote machen Berufe erlebbar, sodass die Jugendlichen ein Gefühl für den Beruf bekommen – ähnlich wie bei Praktika – und eine Persönlichkeit, etwa eine Ausbildungsbotschafterin oder einen Ausbildungsbotschafter, damit verbinden. Alle beteiligten Partner im Ausbildungsmarkt geben ihr Möglichstes, Licht ins Dunkle zu bringen und bestmöglich auf die Berufs- oder Studienwahl vorzubereiten. Außerdem ist so eine Entscheidung auch nicht in Stein gemeißelt. Die wenigsten Erwachsenen arbeiten noch in ihrem ursprünglich erlernten Beruf. Jede Ausbildung ist eine gute Basis, um in das Berufsleben einzusteigen.
Jörg Nolte: Es ist wichtig, ein Gleichgewicht zu finden. Zu viele Angebote in Schule und Freizeit können Jugendliche überfordern, sodass sie sich im schlimmsten Fall vor dem Thema verschließen. Deshalb ist es gut, dass in Nordrhein-Westfalen mit „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) ein strukturierter Prozess zur Berufsorientierung etabliert wurde, der hilft, die Angebote zu bündeln. Wir als IHK sind genau bei den Angeboten präsent, die junge Menschen laut der genannten Studie einfordern. Auf nahezu allen Ausbildungsmessen ist unser Team AzubiFinder vertreten und dient oft als Lotse für noch orientierungslose Schülerinnen und Schüler. Mit unseren Ausbildungsbotschaftern waren wir allein im letzten Jahr bei über 30 Schulterminen in den beiden Kreisen aktiv. Zudem vermitteln wir Betriebsbesichtigungen und engagieren uns im Rahmen der Aktion „Nacht der Ausbildung“, die einzigartige Kontakte und Praxiseinblicke bietet.