Planungen des NRW-Umweltministeriums beinhalten massive Einschränkungen an Hauptwanderwegen

Schmallenberg im Januar 2021 – Geplant ist aktuell ein Gatter, das Teile der Hauptwanderwege Rothaarsteig und WaldSkulpturenWeg umschließen würde. 
Die Planungen zum Bau eines Wisent-Gatters an der Grenze zwischen Schmallenberg und Bad Berleburg werden vom Umweltministerium des Landes NRW aktuell vorangetrieben. Das Gatter war im Vorjahr von der Landes-Umweltministerin Heinen-Esser im Zuge der Krisengespräche in Schmallenberg und der massiven Proteste der örtlichen Waldbauern, zur Befriedung des Konflikts vorgeschlagen worden. Es hat zum Ziel, Zeit zu gewinnen, bis das Hauptgutachten vorliegt, das insgesamt zur Fortführung des Artenschutzprojektes angefertigt wird. Im vergangenen Monat gab das Ministerium Gelegenheit zur Stellungnahme zum Stand der Planungen. Vertreter der Dorfgemeinschaft Latrop und des örtlichen Tourismus, Trägerverein und Wittgenstein-Berleburg'sche Rentkammer kamen im Forstamt Oberes Sauerland zu einem Gespräch zusammen.

Schwerwiegende Bedenken gegen Vorhaben

Der Trägerverein hatte bereits vorab verschiedene Vorschläge und Maßnahmen erarbeitet, die aus seiner Sicht zur Durchführung der Eingatterung erforderlich seien. Hierbei gilt es sowohl tierschutzrechtliche als auch umfassende Sicherheitsfragen zu bedenken. Frank Rosenkranz, Leiter des Forstamtes Oberes Sauerland, stellte die Planungen vor, die, neben den Detailplanungen für den eigentlichen Zaun, umfangreiche Einschränkungen hinsichtlich Nutzung der Wanderwege rund um Latrop enthalten. Die Sperrung von Wegen für bestimmte Nutzergruppen wie Hundeführer oder Biker steht hier ebenso im Raum wie die komplette Sperrung des Wandergebietes in der Setzzeit von April bis Juni.

Insbesondere hier meldeten die Tourismusvertreter massive Bedenken an. Denn jeweils gut eineinhalb Kilometer der beliebten und häufig frequentierten Hauptwanderwege „Rothaarsteig“ und „WaldSkulpturenWeg“ würden innerhalb des Gatters verlaufen. Vornehmlich während der Setzzeit der Wisent-Kühe, aber auch für besondere Gruppen wie Hundebesitzer oder Biker, sehen sie ein zu hohes Gefährdungspotential. Diese Gefahr wird auch seitens des Trägervereins gesehen, der daher in seiner Stellungnahme während der Setzzeit Betretungsverbote für das Gebiet vorschlägt.

Korridor als mögliche Alternative

Ein Alternativvorschlag seitens des Tourismus ist es, die Wege zusätzlich mit Schutzzäunen zu versehen, und den Wisenten lediglich einen schmalen Korridor zum Wechsel vom südlichen in den nördlichen Gatterbereich einzuräumen. Die Querung des Korridors sollte den Wanderern über eine Brückenkonstruktion ermöglicht werden. Dieser Vorschlag hätte den Vorteil, dass die Wegenutzer den Wisenten nicht direkt begegnen, und so das Gefahrenpotential minimiert würde. Ein weiteres massives Problem, die teilweise eingeschränkte Nutzbarkeit der Wanderwege rund um Latrop, bliebe jedoch auch dann bestehen. Anwohner und Gäste müssten in weiten Teilen auf beliebte Wege verzichten – und das in einem Zeitraum über drei Jahre. Rudolf Grobbel, Vorsitzender des Gesamtverkehrsvereins Schmallenberger Sauerland dazu: „Wir versuchen, mit konstruktiven Vorschlägen die bestehenden Planungen zu bereichern. Schlussendlich bleibt der Bau des Wisent-Gatters für uns eine schlechte Lösung. Mit Blick auf die nun offenbar geklärten Erbfolge-Fragen im Hause Sayn-Wittgenstein-Berleburg sollte die Lösung im Gebiet der Kommune Bad Berleburg zu suchen sein, so wie es von Anfang an geplant war.“

Quelle/Bildnachweis: Schmallenberger Sauerland Tourismus GmbH | Katja Lutter