Gemeinsam das richtige Berufsfeld erschnuppern

Jugendpsychologin Jutta Sniehotta zur Rolle der Eltern

Ihr Kind ist in der 10. Klasse und weiß noch nicht, was es werden will? Viel Zeit ist nicht mehr. Es müssen Bewerbungen geschrieben werden. Aber für welchen Beruf? So langsam werden die Eltern ungeduldig und stellen sich die Frage: Sind die anderen Jugendlichen auch so unentschlossen und nur ihr Spross hinkt hinterher? Die Jugendpsychologin Jutta Sniehotta kennt diese Probleme und hat Tipps für die Eltern. Der wichtigste: „Gemeinsam das richtige Berufsfeld erschnuppern und eine positive Motivation aufbauen.“

Text: Christel Zidi
Fotos: Susanne Droste

„Es ist völlig normal, wenn Jugendliche mit 16 Jahren noch keine Vorstellung vom Berufsleben und ihrer eigenen Zukunft haben“, erklärt die Jugendpsychologin Jutta Sniehotta aus Warstein. „Viele sind mit 16 Jahren noch völlig unreif.“ Diese Unreife und Ratlosigkeit erlebt sie auch oft bei Abiturienten, die noch gar nicht wissen, in welche Richtung sie sich entscheiden sollen. Es sei eine unglaublich schwerwiegende Entscheidung, die ein junger Mensch in dieser Phase seines Lebens zu treffen habe: In einer Phase, mit 16 oder 17 Jahren, in der er vielleicht den Girls- oder Boysday mitgemacht hat, mit etwas Glück ein Praktikum, so die Psychologin. Wie können Eltern ihre Kinder da unterstützen?

Bei ihren Patienten geht Sniehotta klientenzentriert vor. So stellt sie sich auch den idealen Umgang der Eltern mit deren Kindern vor. „Man muss Fragen stellen. Was wünscht du dir? Wovon träumst du? Erst wenn dieses - nennen wir es mal Brainstorming - erfolgt ist, kann man abklopfen, ob der Berufswunsch realisierbar ist.“ Und sie betont: „Ganz wichtig ist, dass man eine positive Motivation aufbaut, damit die Jugendlichen erzählen, wovon sie träumen. Nicht gleich sagen, das ist unrealistisch, das schaffst du nicht.“ Die Kinder müssen spüren, dass auch die Eltern wollen, dass ihr Kind einen Beruf ergreift, der zu ihm passt. Auf keinen Fall sollten sie ihnen ihre eigenen Wunschvorstellungen aufdrücken.

Eltern müssen sich immer wieder mit ihren Kindern auf die Berufssuche begeben, immer wieder das Gespräch suchen und Anregungen geben, so Jutta Sniehotta. Aber dem Kind soll auch Zeit gelassen werden, damit es auch selbst überlegen kann, welcher Beruf ihm liegt. Teilweise dauert das bis zu drei Jahren, bis ein junger Mensch eine Idee davon entwickelt hat, wo er sich beruflich sieht, wenn er erwachsen ist. Deshalb rät die Psychologin: Man fängt mit der Suche am besten schon an, wenn das Kind in der 8. Klasse ist. Durch die richtigen Fragen komme es zu einem Annäherungsprozess, das Feld werde immer enger. „Und hinterher landet man bei zwei, drei Berufen, die dann in Frage kommen könnten. Und dann kann man sagen: Komm, jetzt mach doch mal ein Praktikum.“

Gut sei es, wenn Eltern die Talente ihrer Jugendlichen sehen oder erspüren können. Das funktioniere z. B., wenn ein Elternteil handwerklich sehr begabt ist und sein Kind mit in die Werkstatt oder auch in die eigene Gartenwerkstatt mitnimmt. Aber nicht alle Eltern haben die Möglichkeit, das auszutesten und Talente zu erkennen. Erschwerend komme hinzu, dass viele Kinder vor allem in der jetzigen Krise nur noch zuhause sitzen, sich wenig bewegen und nur noch mit digitalen Medien arbeiten. Eltern können Tipps geben, wie „Du könntest ins Soziale passen“. Wenn der Jugendliche sich das auch vorstellen kann, sollte man das am besten mal durch ein Praktikum austesten. Überhaupt können Praktika immens entscheidend sein. „Mit etwas Glück ergib sich aus einem Praktikumsverhältnis später ein Ausbildungsverhältnis.“

Jugendliche brauchen „intrinsische Motivation“

In der Psychologie spricht man von intrinsischer und extrinsischer Motivation. Eine extrinsische Motivation ist z. B. das Verteilen von Fleißkärtchen oder Stempeln an Grundschüler. Die Kinder lernen: Wenn ich etwas mache, bekomme ich etwas dafür. Belohnung für Leistung funktioniere gut bei den Kleinen, Pubertierende aber seien mit Belohnungen kaum mehr zu ködern. „Sie brauchen eine intrinsische Motivation“, erklärt Jutta Sniehotta, „weil sie noch nicht wissen, was sie wollen. Ein Fleißkärtchen oder ein Eis als Belohnung dafür, dass sie sich für Englisch interessieren, das funktioniert nicht mehr.“ Anders liege der Fall, wenn der Jugendliche z. B. englische Songtexte selbst übersetzen will. In diesem Moment würde er erkennen, welchen Nutzen ihm das Englischlernen bringt.

Die Anschlussverpflichtung der Schulen

Jutta Sniehotta betont auch die besondere Rolle der Schulen bei der Berufsorientierung Die Schulen können und sollten mithelfen, das richtige Berufsfeld „vorsichtig und abwartend zu erschnuppern“.   Die große Verantwortung und Verpflichtung sei, das zu ergänzen, was das Elternhaus vorlegt – oder auch nicht. Erschwerend - so Jutta Sniehotta - komme hinzu, dass sich die Berufsfelder und Berufsbezeichnungen inzwischen auch dramatisch geändert haben. Die Orientierung zu finden, sei unglaublich schwierig. „Es gibt keine Elektriker mehr, keine Schlosser. Selbst wir Eltern haben manchmal Schwierigkeiten auf Fragen zu antworten, was z. B. ein Mechatroniker macht.“

Deutliche Worte findet Jutta Sniehotta auch zum Thema Null-Bock-Generation: „Es gibt in jeder Generation Jugendliche, die sich erst einmal finden müssen und eine Zeitlang dafür brauchen. Eine Generation als Null-Bock-Generation zu bezeichnen, das würde ich nicht tun.“ Eltern sollten sich von der scheinbaren Coolness der Kinder nicht blenden lassen. Hinter einem „Ach, ist mir doch egal“ stecke oft die Unsicherheit introvertierter junger Menschen, die sie hinter dieser Maske verbergen.

Eltern benötigten immer wieder viel Fingerspitzengefühl, sind vielleicht auch mal geschockt, wenn die Kinder mit dem Wunsch ankommen, einen Beruf zu erlernen, bei dem sie sich „einen Porsche leisten können“. 

Die Eltern könnten dann beispielsweise so argumentieren: „Mmh. Dann brauchst du einen Beruf, mit dem du richtig viel Geld verdienen kannst. Mehrere tausend Euro brauchst du im Monat, damit du auch gut sparen kann. Wo kannst du so viel verdienen? Höchstwahrscheinlich reicht dein Hauptschulabschluss nicht, sondern du brauchst einen Beruf, der höher qualifiziert ist. Kannst du dir vorstellen, noch zwei Jahre zur Schule zu gehen?“

Problematischer Akademisierungswahn

Den Akademisierungswahn hält die Psychologin für problematisch. „Wir haben heute viele Berufe, die akademisiert sind, in denen man dann den Bachelor macht, aber trotzdem nicht für den Beruf qualifiziert ist. Es gibt einfach Kinder, die sind nicht so intellektuell, sie sind aber handwerklich sehr gut. Ganz wichtig ist: Das was das Kind tut, muss zum Kind passen, nicht zu den Wünschen der Eltern.“

Wenn Jugendliche nach dem Gymnasium mit einem Studium, besonders in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) beginnen, sei das sehr schwer. „Die Jugendlichen wissen noch nicht wirklich, was Studium bedeutet. Das lockere Studentenleben früherer Zeiten gibt es nicht mehr. Zwei Schnuppertage während der Schule reichen noch nicht aus, zu verstehen, was Studium bedeutet.“  Das Lernen an der Uni sei so rasant schnell. Die Zahl der Studienabbrecher sei hoch. Ein junger Mensch, der vielleicht Ingenieur werden will, ist möglicherweise an der Fachhochschule wesentlich besser aufgehoben, weil das praxisbezogene Lernen eher seinem Lernstil entspricht. Oder er könne eine Lehre beginnen. Ein solcher „Spurwechsel“ sei ein guter Wechsel. Das mache auch nichts mit dem Ego. „Wer rechtzeitig erkennt, dass ihn das Studium überfordert, ist kein intellektueller Versager, sondern er handelt weitsichtiger“, betont Jutta Sniehotta.

Das Vorstellungsgespräch mit Eltern?

Sollten Eltern eigentlich beim Vorstellungsgespräch mit dabei sein? „Das ist ein Würfelspiel“, sagt die Warsteiner Psychologin. Die Frage sei: Wie wird das von den Arbeitgebern ausgelegt? Wirkt mein Kind unselbständig, wie ein Muttersöhnchen, das nicht in der Lage ist, sich selbst zu präsentieren. Oder wird es als positiv ausgelegt, wenn sich die Eltern kümmern? „Auf jeden Fall ist es gut für die Motivation des Jugendlichen, wenn er den Schritt allein geschafft hat.“

Pubertät & Adoleszenz Gut zu wissen

Pubertät bezeichnet die Entwicklungsphase junger Menschen (Mädchen 10-14 Jahre, Jungen 12-16 Jahre), die die anatomische und physiologische Reifung des Körpers umfasst.

Während es in der Pubertät mehr um körperliche Veränderungen geht, entwickelt sich in der anschließenden Entwicklungsstufe, der Adoleszenz, die geistig-seelische Reife. Schüchternheit und Unsicherheit ist ein deutliches Zeichen der mittleren Adoleszenz (14-17 Jahre). In der Zeit der späten Adoleszenz (16 bis ca. 20 Jahre) stellt sich für gewöhnlich auch ein gewisses Verantwortungsgefühl für die eigene Zukunft ein. Der junge Mensch hat nun einen gewissen Grad an Reife erreicht und kann bereits seine Fähigkeiten und Grenzen einschätzen.


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