Traumberuf Landwirtin

Nora Joch kümmert sich um Kühe, Milch - und ums Image

Acht Uhr morgens in Rösenbeck… rund 100 Milchkühe machen sich, frisch gemolken und gestärkt, auf den Weg. Den kennen sie gut, da sie ihn täglich gehen. Aber keine von ihnen würde eilig vorpreschen, denn eines ist klar: Es geht immer brav hinter Nora her!

Text: Britta Melgert
Fotos: S. Droste

“Es ist nie verkehrt, mal etwas gänzlich anderes kennenzulernen.” Nora Joch über ihre Zeit in Neuseeland

Nora Joch ist eine moderne, junge Frau aus dem Sauerland, 20 Jahre alt. Ihr Beruf ist selten geworden. Sie ist Landwirtin! „Ich bin zwar keine Bauerntochter, aber zuhause in Wiemeringhausen war ich immer am liebsten irgendwo auf den Höfen bei den Tieren“, erzählt sie. So wunderte man sich nicht, als sie verkündete, dass sie nach dem 10. Schuljahr Bäuerin werden möchte. „Na ja, anfangs hätte sich mein Vater wohl eine andere Berufskarriere für mich gewünscht, aber meine Entscheidung stand bereits fest“, erzählt die junge Frau.

Die Ausbildung solide – die Aufgaben umfangreich

Die Grundausbildung dauert in der Landwirtschaft drei Jahre. Es ist dabei üblich, jährlich den Ausbildungsbetrieb zu wechseln, um möglichst viele verschiedene Tätigkeiten kennenzulernen. „Das gesamte Spektrum von Ackerbau bis Tierzucht kann halt oft nicht nur auf einem einzigen Hof vermittelt werden“, weiß sie. Und so landete sie dann irgendwann beim Rösenbecker Biohof Schmidt, um dort alle Aufgaben rund um die Milcherzeugung und Rinderaufzucht zu erlernen. 

Fans für Nora

Üblicherweise zieht der Azubi für diese Zeit auf den jeweiligen Bauernhof. „Der Tag geht bei uns schließlich früh mit Stallarbeit los und zieht sich bis in den Abend“, erklärt sie. „Ab sechs Uhr herrscht Hochbetrieb an der Melkanlage. Das Vieh bekommt sein Futter und die Boxen müssen gesäubert werden, bevor es dann - sehr zur Freude der Tiere - endlich raus zur Weide geht.“ Sie wissen schon, liebe Leser: Nora voran und ihre vierbeinigen Fans brav hinterher – damals schon!

Apropos Fans: Einer auf zwei Beinen kam bald hinzu. Jungbauer Stefan Schmidt erkannte schnell, dass da die Richtige ins Haus gekommen war. Wir gehen jetzt nicht allzu sehr ins Detail, aber wer die beiden zusammen sieht, der weiß, dass die bekannte RTL-Sendung das nicht besser hätte hinbekommen können. „Stimmt, es passte halt gleich auf Anhieb“, erzählt Nora, „und auch mit den Schwiegereltern in spe klappt es gut; ganz wichtig in einem Familienunternehmen“.

Erfahrungen sammeln in der großen, weiten Welt – und im Sauerland

Nicht leicht gefallen ist dann jedoch der Abschied, als Nora im ersten Gesellenjahr für sechs Monate nach Neuseeland ging. „Das war lange geplant, und es ist nie verkehrt, mal etwas gänzlich anderes kennenzulernen. Aber diese Dimensionen! Dort zählt man nicht die Rinder, sondern die Herden“, berichtet sie beeindruckt. „Letztlich bin ich froh, wieder hier zu sein. Wir haben zwar auch keine Vornamen für unsere Tiere, aber wenn Stefan beim Mittagessen erzählt, dass die Nummer 37 krank ist oder die 94 stur war, dann weiß jeder am Tisch, wovon er spricht.“

„Ein starrer Bürojob wäre nicht mein Ding“, weiß Nora. „Der Arbeitstag in der Landwirtschaft ist zwar lang, aber abwechslungsreich. Und er lässt Freiraum, zwischendurch beispielsweise mal shoppen zu gehen oder eine Mopedtour zu machen. Und wenn wir abends feiern möchten, dann treffen wir hier im Ort oft auf Freunde, die selbst morgens zeitig in den Stall müssen und unseren Rhythmus kennen. Oder die Schwiegereltern sind so nett und übernehmen die erste Schicht“, sagt die Jungbäuerin und schmunzelt.

Blick in die Zukunft

Nora ist sich sicher, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, und sie bleibt am Ball. Ab Herbst geht’s zum BWL-büffeln in die Mescheder Fachschule für Agrarwirtschaft. Und ihre Vision für den Hof in 20 Jahren? „Auf alle Fälle weiterhin ein offener Betrieb und die Sicherung des Tierwohles. Wir Landwirte kämpfen für ein gutes Image. Also Leute, kommt gern her und schaut selbst, was wir leisten und wie es unseren Tieren geht. Wir freuen uns über jeden interessierten Besucher.“

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