Ausbildung oder Studium? Eine Annäherung
Sie stehen noch immer in Konkurrenz: die berufliche und die akademische Ausbildung. Das zeigte sich auch beim Webinar des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im letzten Jahr. Doch eine Annäherung ist möglich – zumindest sahen das 40 % der Teilnehmer so. Ziel der Gespräche war, die akademische und berufliche Bildung enger miteinander zu verzahnen und die Durchlässigkeit nachschulischer Bildungswege zu verbessern. Hier ein Auszug:
Gegenseitige Wertschätzung sei wichtig, so Volker Born, Bereichsleiter für Berufliche Bildung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Die berufliche Bildung würde noch zu sehr auf die duale Erstausbildung reduziert. Meister würden noch immer keinen Zugang zum gehobenen Dienst erhalten. Der Deutsche Qualifikationsrahmen sei da bereits weiter und stelle berufliche Fortbildungen bereits mit Studienabschlüssen gleich.
Thomas Jarzombek, bildungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, betonte, das Handwerk müsse dringend neue Zielgruppen für die Ausbildung rekrutieren: Zum einen die knapp drei Millionen Jugendlichen ohne Berufsabschluss, vorrangig aber die Abiturienten, deren Anteil im Handwerk schon von 6 % auf 16 % gestiegen sei. Jarzombek räumte ein, dass gerade Abiturienten beruflich oft schlecht orientiert seien.
Die Präsidentin der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Martina Klärle, sieht das Duale Studium als Lösung: Jugendliche müssten sich gar nicht zwischen Studium und Ausbildung entscheiden, sie können beides haben. Aber: Nur 4,7 Prozent der Studierenden in Deutschland studieren bisher dual. Und es dominiert das praxisintegrierende Studium, mit längeren Praxisphasen, deutlich gegenüber dualen Studiengängen, die eine Berufsausbildung beinhalten.
Für das Handwerk gäbe es zwar 750 duale Studiengänge, betonte Volker Born. Für das Gros der Handwerksberufe sei eine Akademisierung jedoch der falsche Weg. Um Wärmepumpen zu installieren, brauche es vor allem „praktische Intelligenz“. Und die Theorie vermittelten bereits Berufsschulen und die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung. „Wir sollten eher die Attraktivität der dualen Ausbildung steigern.“
Klärles Fazit lautete: Das Bildungssystem in Deutschland sei schon sehr durchlässig, aber die Möglichkeiten noch zu unbekannt. Und es gäbe Defizite: etwa für Studienabbrecher, die sich Leistungen aus dem Studium in einer Ausbildung nicht anrechnen lassen können. Klärle empfahl, den Jugendlichen vor allem klarzumachen, dass sie immer noch alles werden können. Sie sprach aus Erfahrung: Nach der Mittleren Reife machte sie eine Ausbildung zur Vermessungstechnikerin, heute ist sie Professorin und Hochschulpräsidentin.
Wichtig, da waren sich die Teilnehmer einig, dass Jugendliche berufliche und akademische Bildung als gleichwertige Optionen wahrnehmen.
„Wie Jugendliche sich entscheiden, hängt auch davon ab, wie gut die Berufszweige kooperieren“ Anna Parrisius, Table Media
„Mehr als die Hälfte der Eltern wünscht sich für ihr Kind im Anschluss an die Schule einen Ausbildungsweg mit praktischen Anteilen (Ausbildung und duales Studium). Nur knapp ein Drittel befürwortet ein rein akademisches Studium für das eigene Kind“ (Umfrage der Körber-Stiftung: Eltern im Fokus 2023)
Zum Faktenscheck zur Akademisierung
Quelle: https://table.media/bildung/analyse/akademische-und-berufliche-bildung-naehern-sich-einander-an/