Text: Sabina Butz

In Deutschland besuchen aufgrund der Allgemeinen Schulpflicht, die 1919 in der Weimarer Verfassung festgeschrieben wurde, ca. acht Millionen Kinder und Jugendliche eine allgemeinbildende Schule. Allerdings halten sich nicht alle Schüler und Eltern an diese Vorgabe: Man schätzt, dass sich jedes Jahr ca. 300.000 Schülerinnen und Schüler  nicht regelmäßig im Unterricht einfinden. Was sind die Motive der „Schulverweigerer“ und wie kann gegengesteuert werden?

Hans-Werner Rötzmeier, Förderschulrektor i. R. mit den Schwerpunkten Emotionale und Soziale Entwicklung, beantwortet für uns Fragen zum Thema Schulverweigerer: 

Da müssen vorab ein paar Begriffe geklärt werden: Wir unterscheiden zwischen gelegentlichem Schulschwänzen, langfristiger Schulverweigerung  und dem Zurückhalten der Kinder vom Schulbesuch durch die Eltern.  Wichtig ist zudem die Unterscheidung zwischen aktiver Schulverweigerung, der Schule also fern zu bleiben, und passiver Schulverweigerung, das bedeutet körperlich anwesend, aber teilnahmslos zu sein, weil die Konsequenzen unterschiedlich sind. 

Das Schulschwänzen dürfte jedem Erwachsenen aus der eigenen Schulzeit bekannt sein, den meisten aus eigener Erfahrung: Man glaubte, das müsse man einmal gemacht haben, und wenn es die  Sportstunde war, die man am Ende des Tages notfalls einfach vergessen haben könnte. Ein paar Mal Schulstunden zu schwänzen ist genauso wenig Besorgnis erregend wie das Vorschieben einer Erkrankung, was  gehäuft vor Tests und Klassenarbeiten auftaucht. Problematisch wird es, wenn aus dem Schwänzen eine generelle Verweigerung wird.“

Ab wann genau spricht man von Schulverweigerung?

Wenn aus gelegentlichem Schwänzen ein dauerndes Unterrichtsfernbleiben wird, also tage- oder sogar monatelang. Sobald eine Schülerin oder ein Schüler sich in diese Richtung begibt, müssen sowohl bei Eltern als auch Lehrerinnen und Lehrern alle Alarmglocken schrillen. Die Gründe für Schulverweigerer sind so vielschichtig wie die Schülerpersönlichkeiten, aber man kann doch ein paar Kriterien feststellen:

Oftmals sind Schulverweigerer vollkommen entmutigt wegen fehlender Erfolgserlebnisse oder sie können keine Einsicht in die Sinnhaftigkeit der Lerninhalte entwickeln oder sie haben wegen negativer Erlebnisse in der Schule Ängste aufgebaut. Sie fürchten, Mobbingopfer zu werden oder waren es bereits.  Auch familiäre und soziale Probleme sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Häufig findet man bei Schülerinnen und Schülern zudem ein Gefühl von Orientierungslosigkeit und Ohnmacht mit den genannten Folgen, weil klare Strukturen und verlässliche Regeln im Schulalltag fehlen.

Welche Hilfen gibt es für Schulverweigerer?

Inzwischen gibt es vielerorts besondere Klassen oder Schulprojekte für Betroffene. Erste Ansprechpartner sollten jedoch Klassenlehrer, Schulleiter und Schulsozialarbeit sein und darüber hinaus die Schulberatung beim HSK. Als ehemaliger Rektor der Hans-Zulliger-Schule in Brilon habe ich über Jahrzehnte Erfahrungen mit Schulverweigerern, gesammelt und erkannt, dass es keinen „klassischen“ Schulverweigerer gibt. Es sind individuelle Schicksale, die individuell betrachtet werden müssen, um gezielt verarbeitet werden zu können.

Warum haben Sie sich auf „Schulverweigerer“ spezialisiert?

Auffälliges und herausforderndes Verhalten ist ein Hilferuf von Schülerinnen und Schülern. Die „laut“ Rufenden finden meistens schnell Gehör, während man für die „Leisen“ ein besonderes Ohr entwickeln muss. Genau dieser Gruppe bietet sich unsere besondere Schule mit all ihren pädagogischen Möglichkeiten an.

Ein Schulverweigerer, ob aktiv oder passiv, verpasst ja nicht nur ein Klassenziel oder einen Schulabschluss, sondern vor allem die Chance auf eine angemessene Berufsausbildung; ihm entstehen Nachteile, die ihn sein Leben lang begleiten werden. Das ist doch die eigentliche Problematik, so dass hier früh gegengesteuert werden muss, um einem geregelten Leben Platz zu geben.

Welche Tipps können Sie Betroffenen in einer ähnlichen Situation geben?

Zeigen sie ihrem Kind, dass sie es lieben und bedingungslos unterstützen und gehen sie offen und ruhig mit der Situation um; nutzen sie nötigenfalls die angebotenen Hilfen.

Die wirkungsvollste Prophylaxe sind Familiengespräche, die ein Interesse der Eltern an der persönlichen Entwicklung ihrer Kinder im Zusammenhang von Schule widerspiegeln und sich nicht auf die Abfrage des Leistungsstandes beschränken. Wenn Eltern zudem die Bedeutung von Schule und die Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern wertschätzen, prägt das die Einstellung der Kinder.

An die Lehrerinnen und Lehrer: Bleibt neugierig, kreativ und mutig, wie ihr es euch im Studium vorgenommen hattet; wertschätzt die euch Anvertrauten, und denkt daran, egal ob in Klasse 1, 5, 10 oder 13: Ihr unterrichtet Menschen, nicht Fächer.

An die Schülerinnen und Schüler: Bleibt nicht passiv, sondern werdet aktiv für den Aufbau eines besseren Schul-Lebens.

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Text: Sabina Butz

In Deutschland besuchen aufgrund der Allgemeinen Schulpflicht, die 1919 in der Weimarer Verfassung festgeschrieben wurde, ca. acht Millionen Kinder und Jugendliche eine allgemeinbildende Schule. Allerdings halten sich nicht alle Schüler und Eltern an diese Vorgabe: Man schätzt, dass sich jedes Jahr ca. 300.000 Schülerinnen und Schüler  nicht regelmäßig im Unterricht einfinden. Was sind die Motive der „Schulverweigerer“ und wie kann gegengesteuert werden?

Hans-Werner Rötzmeier, Förderschulrektor i. R. mit den Schwerpunkten Emotionale und Soziale Entwicklung, beantwortet für uns Fragen zum Thema Schulverweigerer: 

Da müssen vorab ein paar Begriffe geklärt werden: Wir unterscheiden zwischen gelegentlichem Schulschwänzen, langfristiger Schulverweigerung  und dem Zurückhalten der Kinder vom Schulbesuch durch die Eltern.  Wichtig ist zudem die Unterscheidung zwischen aktiver Schulverweigerung, der Schule also fern zu bleiben, und passiver Schulverweigerung, das bedeutet körperlich anwesend, aber teilnahmslos zu sein, weil die Konsequenzen unterschiedlich sind. 

Das Schulschwänzen dürfte jedem Erwachsenen aus der eigenen Schulzeit bekannt sein, den meisten aus eigener Erfahrung: Man glaubte, das müsse man einmal gemacht haben, und wenn es die  Sportstunde war, die man am Ende des Tages notfalls einfach vergessen haben könnte. Ein paar Mal Schulstunden zu schwänzen ist genauso wenig Besorgnis erregend wie das Vorschieben einer Erkrankung, was  gehäuft vor Tests und Klassenarbeiten auftaucht. Problematisch wird es, wenn aus dem Schwänzen eine generelle Verweigerung wird.“

Ab wann genau spricht man von Schulverweigerung?

Wenn aus gelegentlichem Schwänzen ein dauerndes Unterrichtsfernbleiben wird, also tage- oder sogar monatelang. Sobald eine Schülerin oder ein Schüler sich in diese Richtung begibt, müssen sowohl bei Eltern als auch Lehrerinnen und Lehrern alle Alarmglocken schrillen. Die Gründe für Schulverweigerer sind so vielschichtig wie die Schülerpersönlichkeiten, aber man kann doch ein paar Kriterien feststellen:

Oftmals sind Schulverweigerer vollkommen entmutigt wegen fehlender Erfolgserlebnisse oder sie können keine Einsicht in die Sinnhaftigkeit der Lerninhalte entwickeln oder sie haben wegen negativer Erlebnisse in der Schule Ängste aufgebaut. Sie fürchten, Mobbingopfer zu werden oder waren es bereits.  Auch familiäre und soziale Probleme sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Häufig findet man bei Schülerinnen und Schülern zudem ein Gefühl von Orientierungslosigkeit und Ohnmacht mit den genannten Folgen, weil klare Strukturen und verlässliche Regeln im Schulalltag fehlen.

Welche Hilfen gibt es für Schulverweigerer?

Inzwischen gibt es vielerorts besondere Klassen oder Schulprojekte für Betroffene. Erste Ansprechpartner sollten jedoch Klassenlehrer, Schulleiter und Schulsozialarbeit sein und darüber hinaus die Schulberatung beim HSK. Als ehemaliger Rektor der Hans-Zulliger-Schule in Brilon habe ich über Jahrzehnte Erfahrungen mit Schulverweigerern, gesammelt und erkannt, dass es keinen „klassischen“ Schulverweigerer gibt. Es sind individuelle Schicksale, die individuell betrachtet werden müssen, um gezielt verarbeitet werden zu können.

Warum haben Sie sich auf „Schulverweigerer“ spezialisiert?

Auffälliges und herausforderndes Verhalten ist ein Hilferuf von Schülerinnen und Schülern. Die „laut“ Rufenden finden meistens schnell Gehör, während man für die „Leisen“ ein besonderes Ohr entwickeln muss. Genau dieser Gruppe bietet sich unsere besondere Schule mit all ihren pädagogischen Möglichkeiten an.

Ein Schulverweigerer, ob aktiv oder passiv, verpasst ja nicht nur ein Klassenziel oder einen Schulabschluss, sondern vor allem die Chance auf eine angemessene Berufsausbildung; ihm entstehen Nachteile, die ihn sein Leben lang begleiten werden. Das ist doch die eigentliche Problematik, so dass hier früh gegengesteuert werden muss, um einem geregelten Leben Platz zu geben.

Welche Tipps können Sie Betroffenen in einer ähnlichen Situation geben?

Zeigen sie ihrem Kind, dass sie es lieben und bedingungslos unterstützen und gehen sie offen und ruhig mit der Situation um; nutzen sie nötigenfalls die angebotenen Hilfen.

Die wirkungsvollste Prophylaxe sind Familiengespräche, die ein Interesse der Eltern an der persönlichen Entwicklung ihrer Kinder im Zusammenhang von Schule widerspiegeln und sich nicht auf die Abfrage des Leistungsstandes beschränken. Wenn Eltern zudem die Bedeutung von Schule und die Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern wertschätzen, prägt das die Einstellung der Kinder.

An die Lehrerinnen und Lehrer: Bleibt neugierig, kreativ und mutig, wie ihr es euch im Studium vorgenommen hattet; wertschätzt die euch Anvertrauten, und denkt daran, egal ob in Klasse 1, 5, 10 oder 13: Ihr unterrichtet Menschen, nicht Fächer.

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In Deutschland besuchen aufgrund der Allgemeinen Schulpflicht, die 1919 in der Weimarer Verfassung festgeschrieben wurde, ca. acht Millionen Kinder und Jugendliche eine allgemeinbildende Schule. Allerdings halten sich nicht alle Schüler und Eltern an diese Vorgabe: Man schätzt, dass sich jedes Jahr ca. 300.000 Schülerinnen und Schüler  nicht regelmäßig im Unterricht einfinden. Was sind die Motive der „Schulverweigerer“ und wie kann gegengesteuert werden?

Hans-Werner Rötzmeier, Förderschulrektor i. R. mit den Schwerpunkten Emotionale und Soziale Entwicklung, beantwortet für uns Fragen zum Thema Schulverweigerer: 

Da müssen vorab ein paar Begriffe geklärt werden: Wir unterscheiden zwischen gelegentlichem Schulschwänzen, langfristiger Schulverweigerung  und dem Zurückhalten der Kinder vom Schulbesuch durch die Eltern.  Wichtig ist zudem die Unterscheidung zwischen aktiver Schulverweigerung, der Schule also fern zu bleiben, und passiver Schulverweigerung, das bedeutet körperlich anwesend, aber teilnahmslos zu sein, weil die Konsequenzen unterschiedlich sind. 

Das Schulschwänzen dürfte jedem Erwachsenen aus der eigenen Schulzeit bekannt sein, den meisten aus eigener Erfahrung: Man glaubte, das müsse man einmal gemacht haben, und wenn es die  Sportstunde war, die man am Ende des Tages notfalls einfach vergessen haben könnte. Ein paar Mal Schulstunden zu schwänzen ist genauso wenig Besorgnis erregend wie das Vorschieben einer Erkrankung, was  gehäuft vor Tests und Klassenarbeiten auftaucht. Problematisch wird es, wenn aus dem Schwänzen eine generelle Verweigerung wird.“

Ab wann genau spricht man von Schulverweigerung?

Wenn aus gelegentlichem Schwänzen ein dauerndes Unterrichtsfernbleiben wird, also tage- oder sogar monatelang. Sobald eine Schülerin oder ein Schüler sich in diese Richtung begibt, müssen sowohl bei Eltern als auch Lehrerinnen und Lehrern alle Alarmglocken schrillen. Die Gründe für Schulverweigerer sind so vielschichtig wie die Schülerpersönlichkeiten, aber man kann doch ein paar Kriterien feststellen:

Oftmals sind Schulverweigerer vollkommen entmutigt wegen fehlender Erfolgserlebnisse oder sie können keine Einsicht in die Sinnhaftigkeit der Lerninhalte entwickeln oder sie haben wegen negativer Erlebnisse in der Schule Ängste aufgebaut. Sie fürchten, Mobbingopfer zu werden oder waren es bereits.  Auch familiäre und soziale Probleme sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Häufig findet man bei Schülerinnen und Schülern zudem ein Gefühl von Orientierungslosigkeit und Ohnmacht mit den genannten Folgen, weil klare Strukturen und verlässliche Regeln im Schulalltag fehlen.

Welche Hilfen gibt es für Schulverweigerer?

Inzwischen gibt es vielerorts besondere Klassen oder Schulprojekte für Betroffene. Erste Ansprechpartner sollten jedoch Klassenlehrer, Schulleiter und Schulsozialarbeit sein und darüber hinaus die Schulberatung beim HSK. Als ehemaliger Rektor der Hans-Zulliger-Schule in Brilon habe ich über Jahrzehnte Erfahrungen mit Schulverweigerern, gesammelt und erkannt, dass es keinen „klassischen“ Schulverweigerer gibt. Es sind individuelle Schicksale, die individuell betrachtet werden müssen, um gezielt verarbeitet werden zu können.

Warum haben Sie sich auf „Schulverweigerer“ spezialisiert?

Auffälliges und herausforderndes Verhalten ist ein Hilferuf von Schülerinnen und Schülern. Die „laut“ Rufenden finden meistens schnell Gehör, während man für die „Leisen“ ein besonderes Ohr entwickeln muss. Genau dieser Gruppe bietet sich unsere besondere Schule mit all ihren pädagogischen Möglichkeiten an.

Ein Schulverweigerer, ob aktiv oder passiv, verpasst ja nicht nur ein Klassenziel oder einen Schulabschluss, sondern vor allem die Chance auf eine angemessene Berufsausbildung; ihm entstehen Nachteile, die ihn sein Leben lang begleiten werden. Das ist doch die eigentliche Problematik, so dass hier früh gegengesteuert werden muss, um einem geregelten Leben Platz zu geben.

Welche Tipps können Sie Betroffenen in einer ähnlichen Situation geben?

Zeigen sie ihrem Kind, dass sie es lieben und bedingungslos unterstützen und gehen sie offen und ruhig mit der Situation um; nutzen sie nötigenfalls die angebotenen Hilfen.

Die wirkungsvollste Prophylaxe sind Familiengespräche, die ein Interesse der Eltern an der persönlichen Entwicklung ihrer Kinder im Zusammenhang von Schule widerspiegeln und sich nicht auf die Abfrage des Leistungsstandes beschränken. Wenn Eltern zudem die Bedeutung von Schule und die Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern wertschätzen, prägt das die Einstellung der Kinder.

An die Lehrerinnen und Lehrer: Bleibt neugierig, kreativ und mutig, wie ihr es euch im Studium vorgenommen hattet; wertschätzt die euch Anvertrauten, und denkt daran, egal ob in Klasse 1, 5, 10 oder 13: Ihr unterrichtet Menschen, nicht Fächer.

An die Schülerinnen und Schüler: Bleibt nicht passiv, sondern werdet aktiv für den Aufbau eines besseren Schul-Lebens.

Text: Sabina Butz

In Deutschland besuchen aufgrund der Allgemeinen Schulpflicht, die 1919 in der Weimarer Verfassung festgeschrieben wurde, ca. acht Millionen Kinder und Jugendliche eine allgemeinbildende Schule. Allerdings halten sich nicht alle Schüler und Eltern an diese Vorgabe: Man schätzt, dass sich jedes Jahr ca. 300.000 Schülerinnen und Schüler  nicht regelmäßig im Unterricht einfinden. Was sind die Motive der „Schulverweigerer“ und wie kann gegengesteuert werden?

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Da müssen vorab ein paar Begriffe geklärt werden: Wir unterscheiden zwischen gelegentlichem Schulschwänzen, langfristiger Schulverweigerung  und dem Zurückhalten der Kinder vom Schulbesuch durch die Eltern.  Wichtig ist zudem die Unterscheidung zwischen aktiver Schulverweigerung, der Schule also fern zu bleiben, und passiver Schulverweigerung, das bedeutet körperlich anwesend, aber teilnahmslos zu sein, weil die Konsequenzen unterschiedlich sind. 

Das Schulschwänzen dürfte jedem Erwachsenen aus der eigenen Schulzeit bekannt sein, den meisten aus eigener Erfahrung: Man glaubte, das müsse man einmal gemacht haben, und wenn es die  Sportstunde war, die man am Ende des Tages notfalls einfach vergessen haben könnte. Ein paar Mal Schulstunden zu schwänzen ist genauso wenig Besorgnis erregend wie das Vorschieben einer Erkrankung, was  gehäuft vor Tests und Klassenarbeiten auftaucht. Problematisch wird es, wenn aus dem Schwänzen eine generelle Verweigerung wird.“

Ab wann genau spricht man von Schulverweigerung?

Wenn aus gelegentlichem Schwänzen ein dauerndes Unterrichtsfernbleiben wird, also tage- oder sogar monatelang. Sobald eine Schülerin oder ein Schüler sich in diese Richtung begibt, müssen sowohl bei Eltern als auch Lehrerinnen und Lehrern alle Alarmglocken schrillen. Die Gründe für Schulverweigerer sind so vielschichtig wie die Schülerpersönlichkeiten, aber man kann doch ein paar Kriterien feststellen:

Oftmals sind Schulverweigerer vollkommen entmutigt wegen fehlender Erfolgserlebnisse oder sie können keine Einsicht in die Sinnhaftigkeit der Lerninhalte entwickeln oder sie haben wegen negativer Erlebnisse in der Schule Ängste aufgebaut. Sie fürchten, Mobbingopfer zu werden oder waren es bereits.  Auch familiäre und soziale Probleme sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Häufig findet man bei Schülerinnen und Schülern zudem ein Gefühl von Orientierungslosigkeit und Ohnmacht mit den genannten Folgen, weil klare Strukturen und verlässliche Regeln im Schulalltag fehlen.

Welche Hilfen gibt es für Schulverweigerer?

Inzwischen gibt es vielerorts besondere Klassen oder Schulprojekte für Betroffene. Erste Ansprechpartner sollten jedoch Klassenlehrer, Schulleiter und Schulsozialarbeit sein und darüber hinaus die Schulberatung beim HSK. Als ehemaliger Rektor der Hans-Zulliger-Schule in Brilon habe ich über Jahrzehnte Erfahrungen mit Schulverweigerern, gesammelt und erkannt, dass es keinen „klassischen“ Schulverweigerer gibt. Es sind individuelle Schicksale, die individuell betrachtet werden müssen, um gezielt verarbeitet werden zu können.

Warum haben Sie sich auf „Schulverweigerer“ spezialisiert?

Auffälliges und herausforderndes Verhalten ist ein Hilferuf von Schülerinnen und Schülern. Die „laut“ Rufenden finden meistens schnell Gehör, während man für die „Leisen“ ein besonderes Ohr entwickeln muss. Genau dieser Gruppe bietet sich unsere besondere Schule mit all ihren pädagogischen Möglichkeiten an.

Ein Schulverweigerer, ob aktiv oder passiv, verpasst ja nicht nur ein Klassenziel oder einen Schulabschluss, sondern vor allem die Chance auf eine angemessene Berufsausbildung; ihm entstehen Nachteile, die ihn sein Leben lang begleiten werden. Das ist doch die eigentliche Problematik, so dass hier früh gegengesteuert werden muss, um einem geregelten Leben Platz zu geben.

Welche Tipps können Sie Betroffenen in einer ähnlichen Situation geben?

Zeigen sie ihrem Kind, dass sie es lieben und bedingungslos unterstützen und gehen sie offen und ruhig mit der Situation um; nutzen sie nötigenfalls die angebotenen Hilfen.

Die wirkungsvollste Prophylaxe sind Familiengespräche, die ein Interesse der Eltern an der persönlichen Entwicklung ihrer Kinder im Zusammenhang von Schule widerspiegeln und sich nicht auf die Abfrage des Leistungsstandes beschränken. Wenn Eltern zudem die Bedeutung von Schule und die Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern wertschätzen, prägt das die Einstellung der Kinder.

An die Lehrerinnen und Lehrer: Bleibt neugierig, kreativ und mutig, wie ihr es euch im Studium vorgenommen hattet; wertschätzt die euch Anvertrauten, und denkt daran, egal ob in Klasse 1, 5, 10 oder 13: Ihr unterrichtet Menschen, nicht Fächer.

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