Sauerland-Tourismus setzt bei Mitgliederversammlung auf Qualität und Nachhaltigkeit

für Einheimische und Gäste

Wie sieht die touristische Zukunft des Sauerlandes aus, wenn sich das Landschaftsbild der Region so umfangreich wie nie zuvor verändert? Wie inspiriert man Gäste, wenn
sich die Bedürfnisse der Menschen in und auch nach der anstrengenden Coronazeit deutlich verschieben? Und wie gestaltet ein regionaler Verband zusammen mit seinen
Partnern die touristische Arbeit nachhaltig, kommunikativ und vor allem synergetisch? Die diesjährige Mitgliederversammlung des Sauerland-Tourismus am 29. September
2021 setzte vor allem auf eine Vorausschau – denn für die inspirierende Outdoorregion eröffnen sich viele neue Perspektiven.

Die Weichen dafür, die Tourismuszukunft in der Region noch effektiver gemeinsam zu gestalten, wurden mit dem einstimmigen Beschluss zur Fusion des Sauerland-Tourismus und der Sauerland-Radwelt gelegt. Die Verschmelzung tritt zum 1. Januar 2022 in Kraft, der touristische Dachverband der Region wird die bisherigen Aufgaben und Tätigkeitsfelder der Sauerland-Radwelt fortführen und das Boomthema Rad ausbauen.

Gute Hoffnung und starke Vorsätze für die Tourismusarbeit von morgen prägten den Geist der Versammlung. Thomas Weber, Geschäftsführer des Sauerland-Tourismus, richtete in seinem Bericht den Blick in erster Linie nach vorn: „Wir haben die Zeit – insbesondere die der Lockdowns – intensiv genutzt, um Perspektiven für die Weiterentwicklung für einen fairen, ausgewogenen, nachhaltigen Tourismus mit mehr Wertschöpfung zu gewinnen.“ In einer Zeit des Wandels gelte es, zunächst veränderte Anforderungen zu identifizieren und dann zukunftsfähige Konzepte, Produkte oder auch Handlungsempfehlungen für Akteure und Akteurinnen zu entwickeln.

Wald und Landschaft im Wandel

Im Wandel befindet sich die Naturkulisse des Sauerlands, die Borkenkäferkalamität betrifft die gesamte Region. „Unsere Wälder leiden, werden dünner und weniger. Die Wege und das Landschaftsbild machen eine harte Diät durch“, sagte Weber. Aus der Industrie wisse man: Das Produkt komme vor dem Marketing und daher arbeite die Region in Gemeinschaft an einem Zukunftskonzept für die Infrastruktur. Diese binde für den Bau und das Freizeitmanagement der Wege die Waldbesitzenden ein und strebe eine sinnvolle Trennung von Forst- und Freizeitwegen an. Denn Ziel müsse eine gute Qualität der Wege selbst sein – und nicht nur an den Wegen. Der Waldumbau, der Klimawandel und seine sichtbaren Folgen in der Landschaft, zerfurchte Wege, fehlende Wegweiser, verschwundene Erlebnispunkte im Grünen, das alles erfordere aber auch eine neue Kundenansprache. „Wir brauchen ein Gefühl für Relevanz, den richtigen Zeitpunkt und den passenden Ton, um die Menschen gut zu informieren. Denn gerade Wandernde sind natursensibel“.

Wandern und Radfahren

Doch nicht nur Wanderer lockt das Sauerland mit seinen Produkten, es ist mittlerweile eine starke Radregion. „Unsere Vision ist es, in zehn Jahren die angesagteste und inspirierendste Rad- und Wanderregion zu sein“, gab Weber einen Ausblick. So ein Zusammenzug der Natursportarten habe es aber in sich, vor allem in der Organisation – siehe die kommende Fusion von Sauerland-Tourismus und Sauerland-Radwelt. Doch schon länger kooperieren die Fachkolleginnen aus den Bereichen Wandern und Radfahren zusammen und haben ein gemeinsames Rad- und Wanderkonzept entwickelt. Es setzt Impulse, wie regionale Wanderund Radwege mit ihren Besonderheiten thematisch gestärkt und zielgruppengerecht angepasst werden können. Dazu gehören auch Überlegungen, wie an stark frequentierten Punkten Rad- und Wanderwege besser entzerrt werden können. Letztendlich soll das Konzept dann in eine verbindliche und verpflichtende Outdoor-Charta münden, die glasklare Anleitung für die Zukunft gibt. Weber: „Das Motto lautet: Fahrspaß trifft Wanderglück – sozusagen aus einem Guss“.

Komfort für alle

So vital und bewegungsorientiert sich das Erlebnis im Sauerland bisher auch präsentierte – der Wandel in der Gesellschaft eröffne auch eine weitere Perspektive und damit neue Anforderung. So ist das Sauerland auch eine Region für alle, die Komfort suchen und brauchen, stellt Thomas Weber fest. Komfort müsse dabei breit gedacht werden und meine Service in jeder Form. „Alles, was das Leben erleichtert und die Emotionen anspricht, wird sich durchsetzen.“ Das Sauerland könne hierbei mit seinen Angeboten einen Dreiklang spielen: Komfort für alle, barrierearm für viele und richtig barrierefrei für einige.

Wertigere Kultur des Reisens

Was die Corona-Pandemie im Sauerland und deutschlandweit gezeigt hat: Die Menschen entwickeln ein größeres Bewusstsein für ökologische Themen. Nachhaltigkeit ist ein Megathema auf allen Ebenen der Gesellschaft. Und es betrifft insbesondere auch den Tourismus, der sich weltweit als Branche von seiner Steigerungslogik lösen muss. Weber: „Lasst uns gemeinsam überlegen, wie wir ein intelligenteres Reisemodell mit Qualität und zeitgemäßer Regionalität entwickeln können.“ Im Sauerland gebe es bereits Beispiele und Ansätze, die es zusammenzutragen und auszubauen gelte. So etwa bei nachhaltigerer Mobilität: Dabei helfe eine steigende E-Bike-Versorgungsdichte, es helfen die Wanderbusse und Radanhänger. Es dürfe aber kein Tarif-Wirrwarr im öffentlichen Nahverkehr geben – denn nachhaltiges Reisen muss einfach sein. Zudem müsse die Energiewende – auch bei touristischen Angeboten – gelingen. Tourismus und Naturschutz müssen sich als Partner begreifen und das Soziale müsse auch beim Thema Nachhaltigkeit mitgedacht werden: gute Jobs und guter Lohn. Grundsätzlich gelte: „Wir brauchen eine andere, wertigere Kultur des Reisens.“

Daten managen und Netzwerke stärken

Alle diese Aufgaben und neuen Anforderungen muss das Sauerland als Tourismusregion parallel angehen. Das stellt auch den Sauerland-Tourismus als Dachverband vor eine neue Herausforderung: Er wandelt sich von einer Destinationsmarketingorganisation immer mehr zur Data Management Organisation, die Prozesse einleitet und steuert, Netzwerke aufbaut und betreut, Informationen aufnimmt, verwertet und weitergibt. Wie der Sauerland-Tourismus diese Herausforderung meistern will, hat er – in Zusammenarbeit mit dem Partnerverband Siegerland-Wittgenstein – in seiner Strategie 2019+ festgelegt, die klare Ziele und klare Strukturen festlegt. Weber warb aber auch dafür, diese Herausforderung weiterzudenken, um damit gemeinsam für ein noch besseres, moderneres Bild des Sauerland zu sorgen und dieses über Bilder, Videos und gute Inhalte im Content-Netzwerk über alle Kanäle zu verbreiten.

Nachfrage in der Region

Bei allem Ausblick in die Zukunft, durfte dennoch eine kleine Rückschau auf die Entwicklung der Gästezahlen in diesem Jahr nicht fehlen. Die Folgen der Corona-Pandemie und der für den Tourismus verheerenden Lockdowns sind nach wie vor in der Region spürbar. Die Nachfrage steigt zwar kontinuierlich, seit dem Reisen wieder möglich ist. Jedoch lassen sich die enormen Verluste der ersten Monate kaum wettmachen. So besuchten von Januar bis Juli 2021 gut 425.000 Gäste das Sauerland, es wurden in der Region fast 1,8 Millionen Übernachtungen gezählt. Insgesamt entsprach das im Vergleich zum Vorjahrszeitraum aber einem Verlust von knapp minus 52 Prozent bei den Ankünften und fast minus 39 Prozent bei den Übernachtungen. Noch gravierender sind die Zahlen bei den Gästen aus dem Ausland: Hier wurden Verluste von rund minus 81 Prozent bei den Ankünften und minus 77 Prozent bei den Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verbucht. Dem Sauerland fehlten vor allem die Gäste aus den Niederlanden und Belgien, beide Länder waren aufgrund hoher Inzidenzen zwischenzeitig als Hochrisikogebiete eingestuft, es herrschten immense Einreisebeschränkungen.

Wechsel an der Spitze

Einen besonderen Wechsel gab es in diesem Jahr im Vorstand des Sauerland-Tourismus. Theo Melcher, Landrat des Kreises Olpe, schied aus dem Vorstand aus. Zu seinem Nachfolger wurde einstimmig der neue Olper Kreisdirektor Philipp Scharfenbaum berufen. Er wird ab sofort als stellvertretender Vorsitzender für den Sauerland-Tourismus tätig sei, denn der bisherige Vorsitz geht turnusmäßig von Theo Melcher an Frank Linnekugel, Leiter des Fachdienstes Regionalentwicklung/Wirtschaftsförderung des Hochsauerlandkreises, über. Melcher hatte – in seiner Position als Olper Kreisdirektor – seit der Gründung und dann jahrelang an der Spitze des Tourismusverbandes mitgewirkt und die touristische Arbeit im Sauerland entscheidend mitgeprägt. So fiel der Dank von Seiten der Gremien wie Vorstand und Arbeitsausschusses und vom gesamten Team des Sauerland-Tourismus ausgesprochen herzlich aus. „Gerade in hektischen Zeiten ist es wichtig, Konstanten und Persönlichkeiten zu haben, das hast Du in herausragender Weise geleistet“, fasste Frank Linnekugel anerkennend zusammen.

Bildinformation:
Theo Melcher, Landrat des Kreises Olpe (Mitte), verabschiedete sich aus dem Vorstand des Sauerland-Tourismus. Seine Nachfolge tritt Philipp Scharfenbaum, neuer Olper Kreisdirektor, an (2. von rechts). Mit im Bild (v.l.): Dr. Jürgen Fischbach (stellv. Geschäftsführer), Frank Linnekugel (1. Vorsitzender), Thomas Weber (Geschäftsführer).

Foto: Sauerland-Tourismus e.V. / Nadja Reh

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Quelle: Sauerland-Tourismus e.V.

Bildnachweis: Sauerland-Tourismus e.V. / Nadja Reh