Aktuelles Thema: BAUFINANZIERUNG

Die Zeiten sind unsicher. Der Wunsch nach etwas Festem, etwas Eigenem um so größer. Was entspricht dem mehr als ein eigenes Haus? Doch die Preise für Baugrundstücke und Immobilien klettern in die Höhe, Bauunternehmen haben Schwierigkeiten an Werkstoffe zu kommen, Lieferengpässe behindern die gesamte Baubranche. Und da sind noch die Fragen nach der richtigen Baufinanzierung…  Zumindest in diesem Punkt können wir Ihnen weiterhelfen, denn mit Klaus Henke, dem Leiter der Baufinanzierung der Sparkasse Hochsauerland, und dem Wirtschaftsberater und Bankfachwirt Wendelin Rother haben wir zwei absolute Experten auf diesem Gebiet gefunden, die sich bereitwillig unseren Fragen gestellt haben. 

Text: Christel Zidi

ImSauerland: Können Sie in diesen unsicheren Zeiten tatsächlich noch zum Kauf einer Immobilie raten, wenn man nicht gerade ein gut gepolstertes Bankkonto hat? 

Wendelin Rother: Sofern man es sich „leisten kann“, auf jeden Fall.  

Klaus Henke: Bei der Finanzierung von Immobilien ist es sicherlich immer von Vorteil einen guten Anteil an Eigenkapital und - falls möglich- Eigenleistungen mit einzubringen. Gerade in Zeiten der aktuellen Lage an den Energiemärkten und der hohen Unsicherheit in die finanzielle Zukunft vieler Kunden ist es wichtig, die Finanzierung einer Immobilie reiflich zu überlegen und durchzurechnen. 

 

ImSauerland:Wozu raten Sie: Abwarten oder zuschlagen, wenn sich eine günstige Immobilie bietet? 

Wendelin Rother: Zuschlagen. 

Klaus Henke: Wenn sich ein Kunde mit dem Gedanken beschäftigt, eine Immobilie zu kaufen oder zu erwerben, sollte er auf jeden Fall einen Termin mit seinem Sparkassenberater/in vereinbaren. Unsere Mitarbeiter sind darauf geschult, diese Anfragen und Gedanken mit dem Kunden zu kanalisieren, um dann gemeinsam zu entscheiden, ob erstmal etwas angespart werden oder der ein Makler und eine Baufinanzierungsspezialist mit eingebunden werden soll. 

 

ImSauerland:Lohnt sich ein Vergleich der Bauzinsen bei verschiedenen Anbietern?  

Wendelin Rother:  Auf jeden Fall, aber dies lieber einem unabhängigen Vermittler überlassen, da der sich besser auskennt und die Anfragen entsprechend vorbereiten kann.  

Klaus Henke: Ein Vergleich lohnt sich in jedem Fall. Wir bei der Sparkasse Hochsauerland haben die Möglichkeit, bereits im Vorfeld die Angebote unserer Mitbewerber für den Kunden zu vergleichen und sind auch in der Lage, die Finanzierungsanfrage unserer Kunden ggf. an einen Mitbewerber zu vermitteln. Das hat den großen Vorteil, dass der Kunde uns als alleinigen Ansprechpartner hat und nicht zeitraubende Gesprächstermine mit verschiedenen Banken führen muss (Multiproduktstrategie).

ImSauerland:Eine flexible Baufinanzierung ist doch immer sinnvoll, oder? Damit man, falls ein unerwarteter Geldregen ins Haus steht, auch früher mit dem Abzahlen fertig ist? 

Wendelin Rother: Richtig, aber man sollte lieber fest machen, es sein denn, der Geldsegen ist terminlich fest planbar. Bei steigenden Zinsen fällt die sogenannte Vorfälligkeit ja auch deutlich geringer aus. Insofern kann man das Risiko eingehen.   

Klaus Henke: Bei der Finanzierung von Wohnimmobilien sind wir aufgrund gesetzlicher Vorgaben (Wohnimmobilienkreditrichtlinie) verpflichtet, die Wünsche des Kunden an seine Finanzierung im Vorfeld ausdrücklich abzufragen. Hierbei widmet sich eine Frage der optionalen Einbindung von Sondertilgungen innerhalb der gesamten Laufzeit. Wenn unser Kunde diesen Punkt für wichtig erachtet, bauen wir selbstverständlich entsprechende Möglichkeiten in die Finanzierung mit ein. 

 

ImSauerland: Annuitätendarlehen sind die häufigste Form von Immobilienkrediten. Der Darlehnsnehmer zahlt eine gleichbleibend hohe Rate. Weil die Restschuld dadurch immer geringer wird, zahlt er jeden Monat auch weniger Zinsen. Normalerweise. Wenn die Zinsrate nicht steil nach oben gehen würde - und der Hausbesitzer damit auf seinem Schuldenberg sitzenbleibt. Soll man, wenn es um die Zinsbindung geht, lieber optimistisch sein und auf bessere Zeiten hoffen? Oder geht man auf sicheren Pfaden, wenn man sich auf eine längere Zinsbindung einlässt? 

Wendelin Rother: Das hängt vom Preisunterschied der Zinsbindungen ab. Zumeist besser 15 oder 20 Jahre, da man ja gemäß Sonderkündigungsrecht BGB bereits nach 10 ½ Jahren ab Vollauszahlung auch ohne Kosten jederzeit austeigen kann.    

Klaus Henke: Auf jeden Fall empfehlen wir unseren Kunden Ihre Baufinanzierung langfristig gegen steigende Zinsen abzusichern. Hierbei haben wir gute Möglichkeiten, über unsere Verbundpartner LBS und Westfälische Provinzial Zinssicherheit - in Verbindung mit attraktiven Konditionen - Laufzeiten von über 30 Jahren zu erzielen. 

 

ImSauerland: Was ist sinnvoller: Eine Anschlussfinanzierung oder ein Volltilgerdarlehen? 

Wendelin Rother: Besser Anschlussfinanzierung über Bausparvertrag, da man meistens bei Volltilgerdarlehen in Krisensituation die Rate nicht mehr reduzieren kann.  

Klaus Henke: Diese Frage kann man pauschal nicht beantworten. Die Erstellung des Finanzierungsangebotes ist immer abhängig von den Wünschen des Kunden an seine Finanzierung. 

 

ImSauerland:Welche Förderungen sind bei der Immobilienfinanzierung möglich?    

Wendelin Rother: KfW 40 Nachhaltigkeit bei Neubau Darlehen T€ 120 zu subventionieren Zinsen mit Tilgungszuschuss T€ 6 und Baubegleitungszuschuss, KfW 124 Wohneigentumsprogramm T€ 100 mit 10 Jahre leicht vergünstigten Konditionen sowie Fördermittel des Landes NRW über die sog. Wohnbauförderung, sehr interessant wegen TOP Konditionen, jedoch an Voraussetzungen gebunden, insb. mind. 1 Kind und Einkommensgrenzen.   

Klaus Henke: Es gibt umfangreiche Fördermöglichkeiten bei der Finanzierung von Immobilien. Hier steht uns das Angebot der KFW und der NRW Bank zur Verfügung. Bei Neubauten und aktuell besonders bei der energetischen Sanierung von Gebrauchtimmobilien empfehlen wir, einen Energieeffizienz Experten zu Rate zu ziehen, der sich im „Dschungel“ der Fördermöglichkeiten auskennt und dann auch für die Kunden die entsprechenden Anträge und Bescheinigung erstellt. 

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