Die Gärten unserer Großeltern

Von Ackersegen und Bier in der Laube

Vor sechzig, siebzig oder achtzig Jahren sahen die meisten deutschen Gärten noch völlig anders aus. Selbstverständlich gab es darin Blumenrabatte mit duftenden Dahlien, fröhlichen Löwenmäulchen und prächtigen Gladiolen, überwiegend aber waren es Selbstversorger-Gärten. Mit dem, was im eigenen Garten wuchs, konnte in den Kriegsjahren so mancher Hunger gestillt werden.

Text: Christel Zidi

Deshalb wurden - egal wie groß der Garten war – stets sättigende Kartoffeln angebaut. Die Sorte „Ackersegen“ war damals sehr beliebt und trug ihren Namen zu Recht, denn viele Familien überstanden die damaligen Winter oft nur dank dem, was sie zuvor gesät und geerntet hatten. Kohl und Möhren wurden ebenfalls gern gepflanzt, dazu Kräuter wie Petersilie und Dill. Jeder Platz wurde genutzt, auch die Hauswände, an denen Weintrauben rankten, an Spalieren wuchsen Birnen und Äpfel. Umsäumt wurden die kleinen Äcker mit mehr als drei Meter hohen Stöcken, um die sich Stangenbohnen wanden. Im hinteren Teil des Gartens standen die Kaninchenställe, daneben der Misthaufen, neben dem die Kürbisse besonders gut gediehen. Wer dazu noch Obstbäume mit leckeren Kirschen oder saftigen Pflaumen besaß, konnte sich glücklich schätzen. Bei weniger großen Gärten fand sich aber meist immer noch ein Platz fand für Beerensträucher, Johannis- oder Stachelbeeren, oder man konnte sich schon früh im Jahr an Erdbeeren erfreuen, aus denen Marmelade gekocht wurde. Die Sorte Senga Sengana war bei den Sauerländern besonders beliebt. Manch einer hatte auch eine Gartenlaube, in der sich die Männer nach getaner Arbeit zum Kartenspiel trafen, das ein oder andere Bierchen gehörte selbstverständlich dazu.

Kleine, idyllische Paradiese kann man jetzt denken. Das stimmt auch, aber die Pflege dieser Gärten kostet viel Zeit und viel Arbeit. Das Wort „Smart Gardening“ war noch nicht erfunden. An automatische Bewässerungsanlagen noch lange zu denken. Selbst Gartenschläuche gab es nicht überall. Mit der blechernen Gießkanne ging es zum nächsten Brunnen, um immer wieder Wasser nachzufüllen. Vertikutierer? Ein Fremdwort. Rechen und Spaten waren wichtig, Hacke, Hippe und Spaten. Der Rasenmäher waren zwar schon erfunden, seine Zeit aber noch nicht gekommen. Sein Einsatz lohnte sich in den Hausgärten noch nicht.

Wie anders sieht es heute aus. In einer Zeit, in der man jedes Gemüse, selbst die exotistischsten, im Supermarkt bekommen kann – und das zu ungemein günstigen Preisen, sind Selbstversorger-Gärten eher selten. Wer heute einen Nutzgarten pflegt, dem geht es darum, mit eigenen Händen etwas zu schaffen; etwas zu ernten, von dem auch weiß, dass es nicht gen-manipuliert und frei von Schadstoffen ist.

Die meisten Gärten dienen heute der Entspannung, dem Chillen und Relaxen. Smart-Gardening-Produkte erledigen den Großteil der Arbeit. Mähroboter halten die Rasenfläche zentimetergenau auf dem gleichen Niveau. Die Frau des Hauses – oder der Hausherr – kümmern sich um die edlen Zierrosen und pflegeleichten Hecken. Eine entspannende, schöne Welt …  Ob der pflegeleichte Garten allerdings glücklicher und zufriedener macht als der Küchengarten von früher, das kann jeder für sich entscheiden.

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