Steffi und ihre Idee vom eigenen Garten

Erst wilde Wiese - jetzt das Ümcke-Gärtchen

Für Naturschützer war der Anblick des Grundstücks eine Augenweide. Am Rande des Dorfes Müschede wucherte eine Wiese mit allem, was dazu gehört, vor allem Unkraut. Einmal im Jahr wurde sie gemäht, was wiederum den Nachbarn Freude bereitete, die den Rasenmäher gerne öfters dort gesehen hätten. Aber man kann es nicht jedem recht machen, oder doch?

Text: Gisela Wilms
Fotos: Sandra Peetz

Steffi Kroll, eine Anwohnerin der Straße, wollte schon lange gartenmäßig expandieren. Ihr eigenes Terrain war zu klein, um sich den Wunsch von einem Kräutergarten erfüllen zu können. Tochter Elen hätte gerne mehr Platz und frisches Futter für ihre Hasen gehabt. Deshalb liebäugelten Mutter und Tochter schon lange mit dem Wiesengrundstück. Eines Tages fragten sie den Besitzer, ob er es verpachten wolle. Dessen Antwort erfreute sie: „Wenn ihr das Grundstück in Ordnung haltet, will ich kein Geld.“ Damit war der Startschuss für das Ümcke-Gärtchen gefallen.

Doch, wo anfangen? Das Gras war hoch, der Boden steinhart. Da war jeder noch so gute Rasenmäher und diejenige, die ihn bediente, heillos überfordert. Das Gleiche galt für Harke und Spaten. Einfach kein Durchkommen. Es erwies sich als Segen, in einem Dorf mit hilfreichen Menschen zu wohnen. Die Müschederin fragte Bernhard Henne von Gut Wicheln, der wenig später mit Trecker und passenden Gerätschaften das Feld beackerte.

Hilfe von allen Seiten

Diese Aktivität lockte Schaulustige an. Nachdem Steffi von ihrem Vorhaben erzählte, fragten sie spontan: „Dürfen wir mitmachen?“ Uli, der Nachbar des angrenzenden Hauses, lugte über den Zaun: „Ich habe noch einen alten Rasenmäher, den könnt ihr haben!“ Die 35-Jährige wurde förmlich von Hilfsangeboten überrollt. Schnell verwarf sie ihren ursprünglichen Plan und ein neues Konzept entstand unter ihrer und Anja Schreiber-Obergs Federführung. Die anderen zukünftigen Gärtnerinnen steuerten Ideen bei. Insgesamt hatten sich sechs junge Frauen zusammengetan, die im Folgenden gemeinsam harkten, Löcher aushuben, aus Brettern Hochbeete zimmerten und Materialien beschafften. Sie fuhren nach Plettenberg, um für wenig Geld einen 16-Meter-Zaun zu holen, oder gruben in Balve eine Buchsbaumhecke aus, kostenlos, dafür sehr schweißtreibend. Über WhatsApp standen sie ständig in Kontakt. Wenn Natalia, Leopoldina, Anja oder Hildegard irgendwo etwas Preiswertes entdeckt hatten, ertönte ein „Piinnng“: „Hier werden Stauden verschenkt. Soll ich sie mitbringen?“ So vollzog die ehemals stiefmütterlich behandelte Wiese eine wunderbare Wandlung. Apfel-, Kirsch- und Pflaumenbäume stehen nun neben Stachelbeer-, Brombeer- und Johannisbeersträuchern. Auf der Wiese blühen Wildblumen und in den Hochbeeten wächst Gemüse.

Anlaufpunkt für Anwohner

Warum opfern die jungen Frauen viele Stunden ihrer Freizeit? „Zunächst macht es riesigen Spaß, gemeinsam an der frischen Luft zu arbeiten und die Früchte dieser Arbeit ernten zu können. Des Weiteren schwebt uns vor, hier einen Treffpunkt für die Nachbarschaft entstehen zu lassen“, erklärt Steffi Kroll. „Im Winter könnte ein Glühweinstand ein Magnet sein, im Sommer ein Fest. Wir wollen mit Marmeladen oder Obstsäften Selbstgemachtes aus unserem Garten anbieten. Was wir von unserer Ernte nicht selbst verwerten können, stellen wir allen Anwohnern zur Verfügung.“

Aus der Idee einer Einzelnen ist somit ein Gemeinschaftsprojekt geworden, von dem nicht nur die Bewohner der kleinen Straße „Auf der Ümcke“ in Müschede profitieren werden.

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